Er hat sein Lebensthema gefunden: Vor drei Jahren landete Daniel Goleman mit seinem Buch Emotionale Intelligenz einen Weltbestseller (ZEIT Nr. 11/96) und verhalf dem schönen Begriff zu kometenhaftem Aufstieg. Nun schiebt er fix den zweiten Band hinterher: EQ2 - Der Erfolgsquotient . In der Tat eine Publikation, die von großer Intelligenz - welcher Art auch immer - zeugt. Damit strebt der Autor die Potenzierung seines Verkaufserfolgs an.

Diesmal hat der amerikanische Psychologe, der zweifellos gut schreiben kann, Arbeitswelt und Management ins Auge gefaßt. Ein lohnendes Feld. Kennt ja jeder, diese Chefs, die aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Fachkenntnisse so weit aufsteigen, bis sich ihre Defizite im Umgang mit Menschen offenbaren. Denn je höher man die Karriereleiter erklimmt, desto wichtiger werden emotionales Bewußtsein, zutreffende Selbsteinschätzung und Selbstvertrauen - laut Goleman die drei zentralen emotionalen Kompetenzen.

Aber jetzt soll es, im vierten Teil des Buches, kommen: Dort verspricht der ehemalige Harvard-Professor Ein neues Lernmodell. Gierig verschlingen wir Seite um Seite, um endlich zum Wesentlichen vorzustoßen - unser aller Verwandlung zu emotional kompetenten Leistungs-Assen. Dafür sei es nämlich nie zu spät, sagt Goleman. Doch was erklärt uns der EQGuru? All die lernwilligen Unternehmen mit ihren sündhaft teuren Managerschulungen in Sachen emotionaler Intelligenz lägen falsch. Das Wochenende in Davos genügt nicht. Denn nichts sei schwerer zu verändern als falsche Gewohnheiten. Es brauche Zeit, Training und nochmals Zeit, um die neuronalen Schaltungen im Gehirn in neue Bahnen zu lenken, die auch in Streßsituationen nicht blockiert sind. Dabei helfen kann uns vermutlich nur - richtig: Daniel Goleman mit Seminaren und Trainingsprogrammen seiner Firma Emotional Intelligence Services.

Fazit: Nicht nur äußerlich unterscheidet sich Buch zwei (grün) von Buch eins (rot) kaum; es steht auch weitgehend das gleiche drin. Wir empfehlen deshalb nach wie vor die Lektüre des Originals.