Arbeit? Die haben sie genug. Händeringend suchen ihre Personalchefs nach geeigneten Leuten. Denn die Geschäfte laufen gut. Das ist aber auch schon alles, was sie verbindet: Deutschlands Softwareproduzenten. Auf der Computermesse Cebit, die in dieser Woche in Hannover ihre Pforten öffnet, präsentieren sie sich als besonders bunte Branche - mit phantastischen Perspektiven.

Sie heißen Nemetschek, PSI, LHS oder GFT. Wie viele es von ihnen gibt, weiß niemand ganz genau. Und seit das Internet boomt, kommen immer neue hinzu. Deshalb tun sich selbst die Etablierten unter ihnen schwer, in der Öffentlichkeit jene Beachtung zu finden, die ihnen eigentlich zusteht.

Doch anders als der weltgrößte Anbieter Microsoft, dessen Chef Bill Gates es mit einzigartigem Geschick verstand, sein Massenprodukt Windows bei jedermann und weltweit populär zu machen, konzentrierten sich Deutschlands Softwarehäuser vornehm auf Geschäfte mit der professionellen Kundschaft - ganz nach dem Motto: Klein, aber fein.

Ihre Programme berechnen die Statik von Gebäuden und Brücken, steuern Fabrikanlagen, sorgen für Ordnung in Büros, managen riesige Abrechnungssysteme oder sind das digitale Werkzeug zur Konstruktion neuer Software. Die meisten strotzen vor Erfolg, manche lehren sogar die amerikanische Konkurrenz das Fürchten und könnten, würden sie zur Kenntnis genommen, selbst notorische Standortpessimisten eines Besseren belehren.

Auf der Cebit spielt Software seit jeher eine herausragende Rolle. Auch in diesem Jahr machen sich wieder fast 3000 Programmarchitekten auf rund 80000 Quadratmetern breit - quer durch alle Hallen; darunter so gut wie alle maßgeblichen Anbieter des Landes. Auf mehr Popularität hoffen die Unbekannten durch den Gang an die Börse. Viele wagten den Schritt bereits, andere planen ihn derzeit. Ihr wichtigstes Motiv aber ist: Sie wollen sich Kapital beschaffen - um weiter zu expandieren. Ihr Glück: Auch in Deutschland wissen Geldanleger mittlerweile ihren Wert zu schätzen.

Die Bastion der US-Rivalen galt lange als uneinnehmbar

Darf man den Prognosen glauben, geht die Softwarebranche auch weiterhin guten Zeiten entgegen. Schon im vergangenen Jahr gaben allein die Deutschen rund 50 Milliarden Mark für Computerprogramme und den notwendigen Service drum herum aus. Und nach den Schätzungen der Unternehmensberatung Diebold wird der Markt im laufenden Jahr noch einmal um etwa acht Prozent wachsen. Die Umstellung auf den Euro sowie das Problem der Rechner mit dem Jahr 2000 beschert den deutschen Spezialisten eine Sonderkonjunktur. Doch ist es nicht nur das, was die Branche beflügelt. Die Qualität ihrer Produkte wird zunehmend weltweit geschätzt.