Wer das Kino in einer Zeit lieben lernte, in der die amerikanischen Wildwestfilme das Programm dominierten, wird zu Rainer Matsutanis Romantic Fighter problemlos Zugang finden. Der Outlaw und sein Gegenspieler messen ihre Kräfte, bis im Showdown der Böse unterliegt. Zwischendurch wechselt der Schauplatz von der Prärie in den Saloon, wo sich die schöne Tänzerin in den Guten verliebt. Am Ende wissen alle: Es geht nicht ohne das Gesetz. Aus dem Gewehrlauf kommt wohl die Macht, aber nicht das Recht.

Die mythische Dimension dieser in tausendfältiger Abwandlung erzählten Geschichte hat damit zu tun, daß Vergesellschaftung und Gesetzgebung keine einmaligen Akte sind; sie gehen immer weiter, und der Respekt vor ihrem Anspruch muß täglich neu eingeübt werden. Und selbst in einer durchzivilisierten und pazifizierten Gesellschaft wie der unseren schaffen verbrecherische Einzelgänger und verschworene Mafiosi rechtsfreie Räume, die von den outlaws und ihren Gegenspielern umkämpft werden. Der Westen bleibt wild, der Gute in der Pflicht.

Mit dieser Abstraktheit nun hat Rainer Matsutani es übertrieben. Er setzt zuviel voraus. Der Berliner Sumpf, die Gewalt und die Angst, das ist alles schon da, wenn der Film anfängt. Nichts wird entwickelt, nichts sieht aus, als könnte es auch anders werden. Dadurch schwindet eine realistische Dimension, die der gelungene Western stets mit der mythischen zu verbinden weiß. Der Romantic Fighter ist nur noch Muster, er zitiert sein Genre, anstatt es neu zu erfüllen. Ausbaden müssen das die Figuren. Trotz achtbarer Leistungen im Schauspielen und Kickboxen bleiben die feindlichen Brüder, die den Film tragen, animierte Puppen, und die infame Herrscherin der Unterwelt ist vom ersten Auftritt an ein Cyborg. Das Muster kennen wir und wollen es nicht an einem Beispiel vorgeführt kriegen. Wir wollen es sogar vergessen über der neuen Version.