So kann es einem ergehen, der eigentlich nur auszog, die Politik zu beraten und ihr etwas von dem zu vermitteln, was die Wirtschaft bewegt: Plötzlich ist er im Amt des Wirtschaftsministers, weil der eigentlich dafür Auserkorene (Jost Stollmann) ebenso plötzlich abgesagt hat. Klar, von Werner Müller ist die Rede. Er war bei Gerhard Schröder im Wort, auf jeden Fall mitzuarbeiten. Also befand er sich prompt im Bonner Kabinett, zwar als wirtschaftspolitisch ein wenig gerupfter Ressortchef, dafür aber mit technologiepolitischen Kompetenzen aufgewertet. Und nun ist er zeitweilig noch mehr: Kaum hat der amtierende Finanzminister Oskar Lafontaine den Bettel hingeworfen, schon ist Müller Doppelminister, zumindest bis Hans Eichel antritt. Theoretisch wie praktisch könnte der neue Superminister auf Zeit nun sogar korrigieren, was Lafontaine dem Wirtschaftsressort angetan hat, und die für die Wirtschaftspolitik nicht unwichtigen Kästchen - Konjunkturpolitik etwa - wieder ins Heimatressort zurückholen. Die ganze Operation war ja ohnedies nur auf Oskar und weniger die Sache zugeschnitten. Ein simpler Organisationserlaß, und schon wäre der alte Zustand hergestellt, zumal bisher sowieso nur wenige Schreibtische von hüben nach drüben verrückt wurden. Allerdings müßte der Erlaß vom Kanzler gegengezeichnet werden. Und da weiß man nicht so recht, ob das klappt, weil ja erst der heimliche und unheimliche Nebenkanzler Bodo Hombach zu überwinden ist. Eichel indes müßte eine Heimholung der genuinen Wirtschaftskästchen gelegen kommen, schließlich ist der Republik die Trennung der Verantwortungsbereiche von Wirtschafts- und Finanzpolitik so schlecht nicht bekommen. Käme alles so, hätte man auf einigen Umwegen sogar das Industrieministerium, von dem es immer mal wieder hieß, es werde gebraucht. Denn daß Müller im Gegenzug Kompetenzen in der Forschungsförderung an die Kollegin Edelgard Bulmahn zurückschickt, sollte man nicht unbedingt voraussetzen.

Aussteiger Spekuliert und auch wieder dementiert wurde, daß der neue Finanzminister Hans Eichel auf die beiden von Oskar Lafontaine handverlesenen Staatssekretäre verzichtet, sobald er im Amt ist. Genaues wird man erst in einigen Wochen wissen. So die beiden, über die spekuliert wurde - Claus Noé und Heiner Flassbeck - tatsächlich in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden sollten, hätten sie neben allem Pech des nur kurzen Auftritts wenigstens noch die Gnade der guten Versorgung nach altem Recht. Für Staatsdiener, die bis Ende 1998 zu politischen Beamten ernannt wurden, gilt die alte Regel, derzufolge sie fünf Jahre lang 75 Prozent ihrer Bezüge als Ruhegeld bekommen, das beim Staatssekretär immerhin 14 186 Mark beträgt. Lifestyle-Kleidung à la Schröder ist da nicht drin. Die potentiellen Nachfolger müssen sich für den Fall einer späteren Entlassung mehr "bescheiden". Für Beamte, die erst nach dem 1. Januar 1999 "politische" wurden, gilt neues Recht. Danach gibt es 75 Prozent der Bezüge nur noch höchstens drei Jahre lang.