Freiflüge sammeln mit der Kreditkarte: Was im Ausland längst gang und gäbe ist, wird auch hierzulande hoffähig. Nach American Express bietet nun auch Lufthansa eine Kreditkarte zum Meilensammeln an. Damit werden die Airlinemeilenprogramme zum universellen Rabattsystem für Dinge des täglichen Bedarfs. Bislang stellen sich jedoch die Wettbewerbshüter quer.

"Ihnen fehlen 1000 Meilen? Kaufen Sie sich einen Anzug." In großformatigen Anzeigen wirbt Lufthansa für ihre neue "Lufthansa Card". Das Besondere an der gemeinsam mit der Bayerischen Landesbank herausgegebenen Visa-Plastikkarte: Für jeden Euro-Umsatz zahlt die Bank eine Meile aufs Vielfliegerkonto - ganz egal, ob die Karte nun beim Friseur oder an der Tankstelle gezückt wurde. Im Gegensatz zu den Meilenprogrammen der Airlines erhält der Sammler Meilen für quasi alles, was er so kauft: für den Erwerb von Herrenhemden und Damenparfums, für seine Autowäsche gleichermaßen wie für die Restaurantrechnungen. Die Flugmeile ersetzt die gute alte Rabattmarke.

Neu und ungewöhnlich ist die Offerte allerdings nur für die Mitglieder von Miles & More. Lufthansas Wettbewerber bieten Vergleichbares schon längst. Ob Swissair oder Air France, ob Iberia, Finnair oder Alitalia, auch Delta und Continental Airlines: Nahezu alle direkten Wettbewerber von Lufthansa, dazu sogar ihr Partner SAS, offerieren Vielfliegern Kreditkartenmeilen. In Amerika laufen heute schon vier von zehn Kreditkartendollar über sogenannte Airline Affinity Cards.

Besonders ärgerlich für Lufthansa: Den Prämiensegen verteilt die Konkurrenz nicht nur an Passagiere aus ihren Heimatländern, sondern auch an deutsche Kunden. Dabei müssen sich die Lufthansa-Konkurrenten noch nicht einmal die Mühe machen, eigene Kreditkarten zu etablieren. Sie schlossen ganz einfach Vereinbarungen mit American Express.

Am Anfang zahlen die Kunden eine saftige Grundgebühr

Der grüne Kreditkartenriese ködert seine Kunden nämlich bereits seit 1993 mit Kreditkartenmeilen. Das funktioniert etwas komplizierter als bei Lufthansa, läuft aber für den Nutzer letztlich auf eine ähnliche Marge heraus. Je zehn Mark Umsatz mit der Amexco-Karte werden mit einer Membership-Meile auf einem eigenen Konto belohnt. Diese Meilen kann der Kunde wiederum bei Bedarf in Flugmeilen bei den angeschlossenen Airlineprogrammen einwechseln. Im Mittel ist eine Amex-Meile fünf Airlinemeilen wert, und siehe da: Bei Lufthansa summieren sich pro Zehnmarkschein ebenfalls fünf Meilen auf dem Prämienkonto.

Auch sonst ähneln sich die Programme verblüffend: Beide enthalten eine Verkehrsmittelunfallversicherung, die freilich nur gilt, wenn mit der Karte bezahlt wurde. Beide Karten bieten Goldvarianten und Assistenzcenter, die per Hotline Hilfe im Notfall versprechen. Und beide Karten sind ganz schön teuer: Lufthansa Card berechnet mindestens 125 Mark (190 Mark für die Goldkarte), bei Amex kommen zu den 100 Mark Jahresgrundgebühr noch einmal 59 Mark Jahresgebühr.