Steht nun die "Hochzeit der Schwachen" an? Renault hat dem japanischen Hersteller Nissan das Angebot gemacht, 35 Prozent des Kapitals zu übernehmen. Das böse Etikett, mit dem die Kapitalverflechtung sogleich belegt worden ist, mag Renault gegenüber ungerecht sein. Schließlich hat sich der Konzern, der zu 44,2 Prozent der französischen Regierung gehört, seit drei Jahren beachtlich erholt.

Ganz sicher aber steht dem zweitgrößten japanischen Autohersteller das Wasser bis zum Hals. Jürgen Schrempp, der Nissan auch für DaimlerChrysler begutachtet hatte, hält das Risiko offenbar für zu groß. Das liegt vor allem an dem gewaltigen Schuldenberg von 17 Milliarden US-Dollar, den Nissan aufgetürmt hat. Sollten die Spekulationen zutreffen, daß Renault ungefähr ein Drittel der Nissan-Aktien erwerben will, wäre der Kaufpreis von ungefähr drei Milliarden US-Dollar kaum mehr als ein dicker Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Renault und die Regierung in Paris scheinen Schrempps "Nein danke" trotzdem eher als Chance denn als Warnung zu sehen. Da Nissan im vergangenen Jahr weltweit gut 2,5 Millionen Autos verkauft hat und Renault 2,1 Millionen, würde die neue Gruppe gemeinsam zum viertgrößten Autohersteller der Welt aufrücken - nach Volkswagen, aber knapp vor Toyota und deutlich vor DaimlerChrysler (rund 4 Millionen). Doch japanische Analysten sind skeptisch, ob Renault lediglich mit einer Minderheitsbeteiligung und dem daraus resultierenden Vetorecht die für Nissan wichtigen radikalen Reformen durchdrücken kann. Nissan baut bislang 50 Modelle auf mehr als 20 verschiedenen Plattformen und hat sich in den vergangenen Jahren ein dröges Markenimage erworben.

Optimisten verweisen darauf, daß sich die Produktionskapazitäten beider Konzerne gut ergänzen: Nissan ist in Asien und den USA stark vertreten, Renault dagegen in Europa und Südamerika. Und schon bahnt sich die nächste Liaison an. Mitsubishi will eng mit Fiat kooperieren - allerdings vorerst ohne Kapitalbeteiligung.