Buenos Aires? Na klar: Tango! Aber: Elektronische Musik aus Buenos Aires? Da fehlen selbst dem Insider die Assoziationen ...

Kein Wunder, denn die verschiedenen Akteure dieser CD-Kompilation sind sogar in Argentiniens Hauptstadt kaum bekannt, sie sind Teil einer kleinen Undergroundszene, die unbehelligt von Traditionen und Trends ihrer eigenen sympathisch-verschrobenen Vorstellung von Ambient-Techno und friendly electric music folgt.

Doch während hiesige DJs und Elektronikmusiker in großangelegten internationalen Austauschprogrammen von den Goethe-Instituten als Kulturbotschafter herumgereicht werden, kann Unerwartetes passieren: Einer von ihnen, der Kölner Riley Reinhold, geriet in ebenjene Szene in Buenos Aires, blieb fasziniert mit den Ohren dort hängen - und stellte aus unveröffentlichtem Material eine CD für sein eigenes Label Traum zusammen.

Der warme Offbeatgroove von Gustavo Lamas zieht einen gleich zu Beginn mit in eine Art Karawanenschaukelrhythmus, ein lässig jubilierendes synthetisches Pfeifen und dezente Geräusch- und Echoeffekte laden vor allem jene Hörer ein, die Bands wie Mouse On Mars und Sounds wie die von Oval immer noch nicht kennen.

Doch auch für diejenigen, die gerne für Augenblicke vergessen möchten, was sie schon viel zu gut kennen, sind die vierzehn Stücke überraschend reizvoll. Minimale Pluckerrhythmen von Trineo, schnatternde, schnalzende, den Beat suchende Plopps und langgezogene einfache Linien aus Synthesizer- und Orgelmelodien von Yuxtapose, die in eine verzerrte Kinderchoraufnahme des argentinischen Rundfunks auslaufen. Erfrischend primitiver Rumpel-Techno von Leo Garcia, erweitert durch fragmentarisches Zirpen und Zwitschern bei Ocio.

Und dann die breiten elegischen Synthesizermotive à la Brian Eno von Fantasias Animades, das verhuschte Gemurmel der Sprachsamples, das einem Schauer über den Rücken jagt.

Eine Atmosphäre voller Melancholie und nostalgischem Charme, alles erinnert an jene Tage, als Namen im Techno noch unwichtig waren. Die Eindringlichkeit erscheint aus europäischer Sicht so unglaublich, weil man hier viel zu befangen ist im aktuellen Trendgeschehen. Wie gerne hätten wir dieses Feeling einer hermetischen, aus sich selbst heraus wirksamen Musik, unter der gleichwohl quasi unhörbar der Puls der Zeit brodelt!