Eine alte finanzwissenschaftliche Weisheit lautet, daß öffentliche Budgets auch politische Prioritäten widerspiegeln. Daran gemessen, ist Europa ein riesiger Bauernstaat, denn mehr als die Hälfte ihres Haushalts gibt die Europäische Union für die Agrarpolitik aus. Dabei spielt die Landwirtschaft in den meisten Mitgliedsländern volkswirtschaftlich längst keine große Rolle mehr. Dennoch spendiert die EU jährlich rund 80 Milliarden Mark an Beihilfen für die Bauern sowie für Aufkauf und Export landwirtschaftlicher Produkte. Deutschland finanziert das System weitgehend, während Frankreich 1997 per Saldo mehr als vier Milliarden Mark aus dem Agrartopf erhielt - was den Streit um das Reformprojekt Agenda 2000 auch als Verteilungskampf erscheinen läßt.