Bei Geld fängt bekanntlich Freundschaft erst richtig an. "Besser ist, Sie zahlen und wir alle sind Freunde", formulierte der unbekannte Absender. Und weiter in holprigem Deutsch: "Wir sagen Ihne glaich, dass wir nicht kommen zu trinken Kaffee." Was der schlichte Schreiber statt dessen anstellen wollte, konnte sich der Empfänger spätestens beim Namen des Absenders ausmalen. "Moskau Inkasso" hatte ihm geschrieben - und in Schuldnerkreisen gilt die russische Art des Geldeintreibens nicht gerade als sanfte Methode.

Keine Drohung, sondern ein Angebot verschickte dagegen die im polnischen SIubice ansässige Finemark Ltd. Die Empfänger: Handwerksbetriebe in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Finemark bot an, die Außenstände der Handwerker einzutreiben - und zwar "wirkungsvoll". Zu Schlägen und Vergewaltigungen, Bränden oder angesägten Bremsleitungen werde es im Umfeld der Schuldner dabei nicht kommen - höchstens "rein zufällig".

Vor allem im Osten Deutschlands kursieren Briefe, in denen dubiose Geldeintreiber ihre Dienste offerieren. Der Grund ist naheliegend: "Mehr als die Hälfte der Betriebe leidet unter der schlechten Zahlungsmoral seiner Kunden", sagt Kornelia Schneider von der Handwerkskammer Dresden. Besonders im Baugewerbe herrsche mittlerweile geradezu "Zahlungsignoranz". Den kurz vor der Pleite stehenden Handwerkern erscheinen daher die brutalen Geldeintreiber oft als letzte Rettung.

Gar nicht gelegen kommt die unliebsame Konkurrenz dagegen dem Bund Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU). Der seriöse Zweig der Branche fürchtet um seinen Ruf. "Vertrauenswürdige Anbieter geben nie eine hundertprozentige Erfolgsgarantie", warnt BDIU-Präsident Ulf Giebel. Die russischen Geldeintreiber argumentieren anders. Die Amsterdamer Briefkastenfirma Robin Hood Consultings warb beispielsweise unverhohlen: "Ihr Schuldner muß Besuch bekommen! Besuch von russischen Spezialisten!"

Mit echtem Forderungsmanagement habe das nichts zu tun, empört sich Ulf Giebel: "Seriöse Inkassounternehmen wollen immer zwischen Gläubiger und Schuldner vermitteln." Mehr als 7,6 Milliarden Mark haben die organisierten Branchenvertreter nach Angaben ihres Verbandes allein im vergangenen Jahr eingetrieben. Ihre vorgerichtliche Erfolgsquote: über 50 Prozent.

Wer mehr will, antwortet auf dubiose Zeitungsangebote - und macht sich damit selbst strafbar. Jeder Gläubiger, der dubiose Geldeintreiber engagiere, müsse sich darüber im klaren sein, daß er zu einer Straftat anstiftet, warnt Lothar Hofner vom Landeskriminalamt Sachsen: "Wir können nur raten, davon die Finger zu lassen." Viele Handwerker sehen das in ihrer Not ganz anders. "Einige Betriebe sind gar nicht abgeneigt, solche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen", weiß die Dresdner Kammer-Sprecherin Schneider.

Das mag auch daran liegen, daß die Behörden bisher noch keinen der dubiosen Geldeintreiber wirklich dingfest machen konnten. Zwar eröffnete die Staatsanwaltschaft Halle gleich nach Bekanntwerden der Finemark-Briefe ein Ermittlungsverfahren gegen die Polen. Tatsächlich, sagt Oberstaatsanwalt Gerhard Hasse, sei auf deren Konto in Hamburg auch ein kleinerer Betrag eingezahlt worden. Als Hasse recherchierte, war das Konto aber längst aufgelöst. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Finemark eingestellt.