Wer im November vergangenen Jahres gegen 20 Uhr zufällig über die Seiten der africam (www.africam.com) surfte und die mobile Live-Kamera angeklickt hatte, konnte in Echtzeit beobachten, wie zwei Löwen ein hilfloses Zebra zu Boden rissen und zerfleischten. Alle 30 Sekunden schickte die Webcam ein neues Bild ins Internet.

Insgesamt vier Digitalkameras hat africam im südafrikanischen Krüger-Nationalpark und in der benachbarten Djuma Game Reserve stationiert. Drei der Live-Cams stehen fest positioniert an Wasserlöchern, die vierte wechselt ab und an den Standort. Täglich 24 Stunden senden die Kameras Standbilder ins World Wide Web.

Die größte Chance, Elefanten, Giraffen und Leoparden online am heimischen PC-Monitor zu sehen, besteht während der Trockenzeit von April bis zum Spätherbst frühmorgens ab sechs Uhr. Langschläfer klicken den Button "Animations" an und gelangen zum Archiv der aufsehenerregendsten Bilder.

Weit mehr als 1000 solcher Live-Kameras gibt es mittlerweile rund um den Globus. Gute Ausgangspunkte für eine virtuelle Sightseeing-Tour durch alle Kontinente sind die deutschsprachige Startseite des WebCam-Navigators (privat.schlund.de/h/ hgabler/wcin/index.htm) oder die englische Homepage der earthcam (www.earthcam.net): So ist im Internet der Potsdamer Platz in Berlin (www.cityscope.de) nur ein paar Mausklicks von den Champs-Elysées in Paris (www.allocine.fr/live) oder vom Londoner Oxford Circus (www.fujiint. co.uk/street/index.html) entfernt.

Nach der Reisemaxime, nicht nur "Land", sondern auch "Leute kennenzulernen", offeriert das Internet auch virtuelle Besuche bei real existierenden Menschen. Der Holländer Alex van Ex aus Apeldoorn (www.icepick.com) beispielsweise hat sein gesamtes Haus mit Webcams und Scannern verkabelt. Kameras schweben über der Eingangstür, vor dem Kühlschrank und in fast allen Räumen. Bevor Alex eine leere Konservendose in den Abfall wirft, scannt er das Etikett mit den Codestrichen in seinen Computer ein. Auch sein Telefon hat er mit dem Internet vernetzt, so daß Alex auf seiner Homepage zum gläsernen Menschen geworden ist.

Am Schluß der Internet-Reise um den Globus steht die Mutter aller Webcams. Im Computerlabor der Universität von Cambridge hat im Jahr 1991 alles angefangen. Da das Institut damals nur eine einzige Kaffeemaschine besaß und die Mitarbeiter aus den entfernten Büros unnötige Gänge vermeiden wollten, wurde eine Live-Kamera installiert. Seitdem sendet sie den Pegelstand des Kaffees in der gläsernen Kanne ständig direkt ins Internet. (www.cl.cam. ac.uk/coffee/coffee.html).