Erst mal raus zum Auto. Fröstelnd steht die Gruppe von Fahrschülern an der Straße und wartet auf die Demonstration. Ein Motor tuckert im Leerlauf; am Auspuff des grünen Opels hängt ein schlaffer Gummisack - aber kaum mehr als eine Minute, und er ist prall aufgeblasen. Dem Versuchsleiter reicht er bis unter den ausgestreckten Arm. Der Ballon umspannt jetzt gut zwei Kubikmeter Abgase.

"Und was tun wir damit?" fragt Michael Walk, zieht die grellgelbe Riesenblase vom Auspuffrohr und drückt das offene Ende einem verdutzt blickenden jungen Mann in die Hand. "Können Sie das mal entsorgen?"

Was tun mit zwei Kubikmetern Gift und Gestank? Einfach aus dem Ballon zischen lassen? Unmöglich. Andererseits: Eine Minute heiße Luft aus dem Motor - das entspricht etwa der Fahrt von hier bis zur nächsten roten Ampel oder der Wartezeit, bis sie wieder auf Grün springt. Außerdem hat der Wagen einen Katalysator, und selbstverständlich erfüllen seine Abgaswerte die DIN-Normen. Kein Problem also. Oder doch? Immer noch kneift der junge Mann den Gummischlauch zusammen.

"Wir versuchen, den Leuten ein Gefühl für die Kosten des Straßenverkehrs zu geben", sagt Walk. "Das betrifft die Umwelt, aber vor allem die Opfer und die Einschränkungen. Die nehmen wir ja hin, als seien sie gottgegeben." Seit zwei Jahren betreibt der Psychologe gemeinsam mit dem Fahrlehrer Lothar Taubert in Berlin die Akademie Verkehr human. Sie bieten Seminare und Fahrschulausbildung an. Bislang haben rund 250 Fahrschüler bei ihnen den Führerschein gemacht.

Das Unternehmen ist aus einem Projekt der Technischen Universität hervorgegangen. Um Verkehrserziehung ging es da, um Ideen für einen Fahrschulunterricht, der sich nicht auf Hinweise zur Bedienung von Gaspedal und Wagenheber beschränken sollte. Und auch darum, daß zwar Englischlehrer und Sportlehrer Pädagogen sein müssen, Fahrlehrer aber nicht. Doch irgendwann griff der Senat zum Rotstift, und das Projekt war am Ende. Also haben Walk und Taubert sich selbständig gemacht.

"Wir sind keine Fundamentalisten", stellt der Psychologe klar. "Am Ende der Ausbildung steht auch bei uns der Führerschein, und unsere Schüler freuen sich darauf, ein Stück Mobilität zu gewinnen. Wir möchten nur, daß sie dabei auch wissen, was sie tun."

So gehört einiges zum Programm, was auf den ersten Blick seltsam anmuten mag: Zu Fuß machen sich die Schüler in Gruppen auf den Weg durch die Innenstadt und lauschen auf den Lärm; manchmal machen sie die Augen zu und lassen sich über die Straße führen; zur Entspannung kneten sie Tonfiguren und spielen ein Spiel, bei dem fünf Personen schweigend ein Puzzle zusammensetzen - Übungen, die auf das Verhalten im Straßenverkehr zielen. Sprachlos müssen sie sich ja auch als Autofahrer verständigen. Kooperieren, für andere mitdenken - das sollen sie lernen.