Wie es der Zufall will, gehört Herr L. zu den Erwählten. Im Januar erhält er einen Brief, der so beginnt: "Sehr geehrter Herr L., zuerst möchten wir Ihnen ganz herzlich gratulieren. Sie werden von Aktek, dem Schutz- und Förderverein zur Bekanntmachung der Kulturschätze der Stadt Antalya, zu Gratis-Testferien eingeladen: einer herrlichen 8-Tage-Flugreise an die türkische Riviera." Der Wert der Reise betrage 698 Mark, es handle sich ausdrücklich um keine Werbefahrt.

Flug, Unterkunft mit Halbpension in einem 4-Sterne-Hotel, zwei Abendessen, Ausflugsfahrten zu den Sehenswürdigkeiten der türkischen Riviera und nach Pamukkale sowie die Betreuung vor Ort durch deutschsprachige Reiseleiter - alles sei umsonst. Lediglich die Flughafengebühren in Höhe von 15 Dollar und 10 Mark sowie Eintrittspreise trage Herr L. selbst.

Sollte er ein Einzelzimmer wünschen, wäre ein Aufpreis von 245 Mark fällig. Würde er in Begleitung reisen, hätte die zweite Person im Doppelzimmer 698 Mark zu zahlen. Ein bunter Prospekt liegt bei: In dem steht etwas von "fakultativen Ausflügen". Als Absender zeichnet ein Reiseclub Deutschland in Kassel.

Verbraucherverbände warnen vor Gratisreisen: Am Zielort würden häufig drastische Zusatzkosten erhoben, die Gäste zudem von einer Verkaufsveranstaltung zur anderen gekarrt. Meist sei so eine Tour auf dem Schnäppchenmarkt billiger zu haben.

Ein schneller Blick ins Internet ergibt: Ausflüge an die türkische Riviera unter 698 Mark für zwei Personen sind derzeit nicht zu haben.

Herr L. beschließt, sich die Offerte nicht entgehen zu lassen und der Geschichte des Enthüllungsjournalismus eine der seltenen Sternstunden hinzuzufügen. Er meldet sich an. Natürlich für ein halbes Doppelzimmer.

Kurz darauf erhält er die Reisebestätigung. Darin wird das Wort "fakultativ" präzisiert: "Ausflüge am 3. Tag, 4. Tag und 6. Tag sind vor Ort buchbar (nicht im Reisepreis enthalten)." Zusätzlich liegt eine Rechnung über eine 37 Mark teure Reiserücktrittsversicherung bei, außerdem wird eine Depositzahlung in Höhe von 200 Mark gefordert: "Diese Zahlung dient lediglich als Garantie, daß Ihre Buchung ernst gemeint ist." Natürlich erhalte man das Geld in der Türkei zurück.