Von der ersten bis zur letzten Zeile erstunken und erlogen sei ein Bericht des sterns, lautete kürzlich das Dementi eines SPD-Sprechers. Es bezog sich auf Berichte des Blattes, Oskar Lafontaine habe schon vor einigen Wochen seinen Rücktritt exakt für die Zeit nach der Wahl des neuen Bundespräsidenten angekündigt. Und im übrigen sei Franz Müntefering unter einem Parteivorsitzenden Gerhard Schröder als Generalsekretär vorgesehen.

Dementis in diesem rüden Tonfall sind eher selten. Aber da sie sich nicht dementieren lassen, schickte wenig später der Hausherr im Kanzleramtsbereich, um im Jargon des Bundestagspräsidiums zu bleiben, eine abgemilderte Fassung hinterher. Schröder zufolge ist der gesamte Artikel des sterns "von der ersten bis zur letzten Zeile frei erfunden", die "Spekulationen gehören in das Reich der Märchenwelt".

Wenn man etwas journalistisches Glück hat, kann es geschehen, daß ein Plan einem Dementi zum Opfer fällt. Sagen wir: Franz Müntefering wird deshalb nicht Generalsekretär, weil der stern zu früh darüber berichtet hat und Schröder es dementieren mußte. Auf die Weise wird das Dementi zum wahren Ereignis.

Jürgen Trittin hat öffentlich behauptet, das rot-grüne Projekt sei tot, was bleibe, sei nicht mehr wert als eine schwarz-grüne Koalition, über die man ebensogut nachdenken könne. Erstens ist das seine Ansicht, zweitens ist es ja auch wahr. Joschka Fischer, der seine lange Freundschaft mit Lafontaine ziemlich schnell vergessen hat, ist über die öffentliche Verbreitung dieser Wahrheit aber gewaltig erschrocken. Die Folge: Da Trittin sich schlecht selber dementieren konnte, sprach er reumütig von einem "professionellen Fehler", den er gemacht habe. Aber das glaubt er wohl selber nicht.

Die Modefirma Brioni hat dementiert, Werbung mit dem Bundeskanzler zu machen. Denn Schröder war Ministerpräsident, als er sich für die Firma fotografieren ließ. Es war übrigens auch nicht als Werbung, sondern als Information für die Fachpresse gedacht. Dessen ungeachtet ist die deutsche Herrenbekleidungsindustrie "empört über das offensichtliche Bekenntnis des deutschen Bundeskanzlers zu einem italienischen Anbieter". Es sei unverständlich, warum sich der Regierungschef "demonstrativ von seiner eigenen deutschen Industrie abwendet". Schröder wiederum, dem bisher eher Zuwendung als Abwendung nachgesagt wurde, hat glasklar dementiert, daß die Bundesrepublik von der Wirtschaft regiert werde.