Vor drei Jahren klagte die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG, das Embryonenschutzgesetz behindere die Forschung zur künstlichen Befruchtung. Wichtige Fortschritte würden im Ausland erzielt, deutsche Ärzte zu Lizenznehmern degradiert. Es sei Heuchelei, Embryonenforschung in Deutschland zu verbieten, aber "die Früchte derartiger, in anderen Ländern durchgeführter Arbeiten" medizinisch zu nutzen.

Inzwischen haben Embryonenforscher ein viel größeres Feld entdeckt: die Zucht von Stammzellen. Aus diesen Zellen entstehen sämtliche Gewebe des Körpers. So schwärmt die DFG nun in einer Stellungnahme zum "Problemkreis humane embryonale Stammzellen" von "revolutionären wissenschaftlichen und medizinischen Neuerungen, zum Beispiel bei der Behandlung von Krebs, der Parkinsonschen Krankheit, der Alzheimerschen Krankheit oder des Diabetes, der Züchtung von menschlichen Geweben und Organen ...".

Höchste Zeit also, das Gesetz zu ändern, das die Stammzellgewinnung aus Embryonen untersagt?

Weit gefehlt. Die DFG sieht "derzeit keinen Handlungsbedarf für eine Änderung der deutschen Rechtslage". Diese erstaunliche Duldungsstarre dürfte vor allem drei Gründe haben:

Erstens sieht die DFG nun einen Weg, wie deutsche Forscher legal an die begehrten Stammzellen kommen: Sie holen sich Gewebe aus abgetriebenen Föten, genauer deren "primordiale Keimzellen". Aus diesen Vorläufern der Geschlechtsdrüsen lassen sich Stammzellen züchten. Dieser Umweg nutzt eine juristische Unlogik: Das Embryonenschutzgesetz erklärt zwar jedes befruchtete Ei außerhalb der Gebärmutter für unantastbar (weil daraus ein Mensch heranwachsen könnte). Hingegen dürfen heranwachsende Menschen innerhalb der Gebärmutter, bei medizinischer Indikation nach Paragraph 218, bis kurz vor der Geburt abgetrieben werden. Sie können als Zellspender dienen, falls die Mutter zustimmt.

Zweitens befürchten viele Wissenschaftler, daß die Bundesregierung ihre Freiheit noch weiter beschneide (etwa durch strengeren Tierschutz). Also werde auch der Embryonenschutz eher ver- als entschärft - und Ruhe zur ersten Forscherpflicht.

Drittens setzt die DFG auf Lernfähigkeit. Sollten Stammzellen heilend wirken, werden ethische Bedenken rasch von selbst verschwinden. Denn wer heilt, hat recht - und bekommt sein Recht.