Deutschlands Schüler im Aufwind. Nein, nicht bei den schulischen Leistungen, sondern in der Auseinandersetzung mit den Lehrern. Die verbieten ihnen seit Jahrzehnten, im Unterricht Kaugummis zu kauen. Jetzt bekommen die Pennäler Schützenhilfe von der Wissenschaft: Kaugummi kauen macht schlau.

Die Nachricht in die Welt gesetzt hat Siegfried Lehrl. Er kriegt derzeit reihenweise Post aus den Lehrerzimmern. Einige haben ihren Klassen kurzerhand Kaugummis verteilt. Andere wenden sich Hilfe suchend an den Psychologen der Uni Erlangen und Vorstand der Gesellschaft für Gehirntraining. Lehrl erforscht seit langem, wie man mehr aus seinen grauen Zellen herausholt. So setzte er etwa Versuchspersonen auf einen Heimtrainer. Und siehe da - die Probanden waren intelligenter und aufnahmefähiger, solange sie radelten. Das Strampeln führe zu einem Anstieg der Durchblutung im Gehirn, erklärt Lehrl.

Ebenso wirke das ständige Auf und Ab des Kiefers. Der Intelligenzforscher verweist auf ein Experiment des Arbeitsmediziners Wilfried Diebschlag von der TU München. Leistungen kauender Erwachsener hätten jene der Kontrollgruppe um satte 20 Prozent übertroffen - und zwar unabhängig davon, ob der Kaugummi Zucker enthielt oder nicht. Monotone Situationen, wie im Unterricht oder vor dem Fernseher, machen müde. Wer kaue, werde durch das Muskelspiel wieder wach, behauptet Lehrl. Nicht umsonst wälzten die Menschen seit Urzeiten gummiähnliche Stoffe - Harz, Gräser oder Blätter - im Mund umher. Und unsere nächsten Verwandten, die Menschenaffen, kauten bis zu 20 Stunden am Tag auf irgend etwas herum.

"Kaugummi kauen könnte den Effekt des Unterrichts verdoppeln", ist Lehrl überzeugt. An die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier hat er bereits geschrieben. Die CSU-Politikerin solle die Kauerei in der Schule empfehlen. Bevor sich deren Ministerialbeamte allerdings an dem Vorschlag die Zähne ausbeißen konnten, hat der Druck der öffentlichen Meinung den Fall praktisch schon entschieden. Denn jeder Lehrer, der heute noch Kaugummis verbietet, muß sich nun von seinen Schülern vorhalten lassen, er wolle sie dumm halten. Gegen die geballte Autorität der wissenschaftlichen Forschung werden wohl die wenigsten anzukämpfen wagen. Es sei denn, sie halten es so wie ihr pfiffiger Kollege aus dem Unterfränkischen, der flugs ein Projekt für seinen Biologie-Leistungskurs entwarf: Im Eigenversuch sollen seine Schüler nun herausfinden, ob sie, Kaugummi mampfend, tatsächlich schlauer sind.

Seltsam nur: Der Pädagoge kam ganz ohne Kaubewegungen auf die geniale Idee.