Zunächst freue ich mich, einmal wieder einen Artikel von Ihnen zu lesen, da Sie ein differenzierndes Rußlandbild vermitteln und zudem die Geschehnisse in den machtpolitischen Kontext einordnen. Deshalb möchte ich auch nur eine Winzigkeit zur Sicherheitspolitik anmerken:

Man kann den Duma-Abgeordneten zwar Unfähigkeit oder Starrsinn vorwerfen, aber nicht den Bruch des Start II. Es ist das Recht des Parlamentes, internationale Verträge, die es mehrheitlich für gegen die Landesinteressen gerichtet hält, nicht zu ratifizieren. Daraus auf amerikanischer Seite einen Vertragsbruch zu konstruieren entbehrt jeglicher Grundlage, deutet aber auf die neuerdings wieder auf pure Machtinteressen gegründete Außenpolitik. So muß eher befürchtet werden, daß - vorausgesetzt, die Pläne der nunmehr vom Himmel gefallenen Sternenkrieger sind technisch umsetzbar - die USA ein nationales Raketenabwehrsystem in Dienst stellen, welches den gültigen ABM-Vertrag nicht bricht, allerdings umgeht. Zu fragen ist weiterhin, wieso sich die Amerikaner, so sie denn an weiterer Abrüstung interessiert sind, gegen einen Start III sträuben, der zeitgleich mit dem zweiten Vertrag ratifiziert werden könnte. Dieses ist genau die Position der Mehrheit in der Duma, die zum Beispiel auch vom Grandseigneur der russischen Sicherheitsexperten, Alexej Arbatow, mitgetragen wird.

Michael Gerke, Dortmund