Im Grundsatz ist sich der DaimlerChrysler-Vorstand einig: In den nächsten Wochen wird offiziell verkündet, daß der lang erwartete luxuriöse Minivan mit dem Mercedes-Stern kommt. Der soll die vom Lieferwagen Vito abgeleitete, mäßig erfolgreiche V-Klasse ablösen. Die "Markenbibel" (eine Art Ehevertrag zwischen Daimler und Chrysler, der die getrennte Markenführung festschreibt) verbietet zwar, daß ein solcher Minivan einfach auf die Plattform des erfolgreichen Chrysler-Minvan Voyager gesetzt wird. Wohl aber könne man in so einem Falle vom Know-how der amerikanischen Kollegen profitieren, sagt Vertriebsvorstand Dieter Zetsche. Die "Bibel" sagt allerdings nichts darüber aus, wo ein solcher Mercedes-Minivan gebaut wird.

Genau darüber dürfte es Streit geben. Während der Vorstand offenbar dazu tendiert, den "völlig neuartigen" Minivan in Amerika vom Band laufen zu lassen, sehen das die deutschen Arbeitnehmer ganz anders. "Wir werden den Finger heben", sagt Erich Klemm, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der DaimlerChrysler AG mit Blick auf deutsche Werke wie Rastatt. Zwar haben IG Metall und Mercedes-Betriebsräte extra eine Arbeitsgruppe mit ihren US-Gewerkschaftskollegen gebildet, um zu verhindern, daß sie der Vorstand gegeneinander ausspielt. Aber wo neue Mercedes-Modelle hingehören, ist für Klemm sonnenklar. Als die Produktion der geländegängigen M-Klasse im amerikanischen Tuscaloosa hochgezogen wurde, beugten sich die Betriebsräte noch dem Argument, das Unternehmen benötige Wertschöpfung in den USA, um Dollarschwankungen besser ausgleichen zu können. "Dieses Argument zieht jetzt nicht mehr", sagt der Betriebsratschef. Ohnehin müsse wieder deutlicher werden, "daß Mercedes etwas mit Facharbeiter-Produktion zu tun hat".