die zeit: Herr Töpfer, hierzulande läßt das Interesse an Ökothemen nach. Verspürt der Direktor des UN-Umweltprogramms einen ähnlichen Trend auf internationaler Ebene?

Klaus Töpfer: International ist es fast umgekehrt. Es wird gerade in den Entwicklungsländern immer deutlicher, daß ohne Umweltvorsorge wirtschaftliches Wachstum schnell in einer Sackgasse endet. Wichtig ist aber klarzumachen, daß Umweltschutz nicht auf Kosten der Überwindung von Armut betrieben wird.

zeit: Sehen Sie denn bei den globalen Umwelttrends schon eine Wende zum Besseren?

Töpfer: Was erreicht werden konnte, ist ein Abbremsen des Trends zum Schlechteren. Vor dem Hintergrund einiger sehr dramatischer Faktoren kann man aber von einem wirklich durchgreifenden Verbesserungstrend nicht sprechen.

zeit: Welche Trends meinen Sie?

Töpfer: Die weiter deutlich ansteigende Weltbevölkerung beispielsweise oder die Instabilitäten, die uns über das globalisierte Wirtschaftssystem mitgeliefert worden sind. Die ökologischen Auswirkungen der Wirtschaftskrisen in Südostasien, in Rußland oder auch anderswo sind sehr dramatisch. Deshalb ist es unbedingt nötig, daß wir auch die Umweltverträglichkeit unserer makroökonomischen Lösungen viel stärker als bisher bedenken.

zeit: Die dafür zuständigen Institutionen, beispielsweise der Internationale Währungsfonds, tun das bisher nicht ausreichend?