Alle zwei Jahre kürt die Naturfreunde Internationale mit Sitz in Wien (Diefenbachgasse 36, A-1150 Wien, Tel. 0043-1/892 38 77, Fax 812 97 89) eine "grenzüberschreitende, ökologisch wertvolle Region" in Europa zur "Landschaft des Jahres". In der Vergangenheit erhielten diese Auszeichnung die Regionen Bodensee, Alpen, Neusiedler See, Eifel-Ardennen, Odermündung und Maas. Für 1999/2000 wurde das Gebiet Böhmerwald/Sumava im Dreiländereck Deutschland - Österreich - Tschechische Republik ausgewählt, Europas größtes zusammenhängendes Waldgebiet.

"Wir wollen eine Region europaweit vorstellen und in diesem Gebiet sanfte Projekte im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung stimulieren", erläutert Manfred Pils, Generalsekretär der Naturfreunde Internationale. Mit dem Slogan "Eine Landschaft, die verbindet" schwebt ihnen vor allem auch vor, die Zusammenarbeit von Bevölkerung, Organisationen und Verbänden zu fördern. Zum Wohl des Tourismus, des Verkehrs und der Regionalplanung.

Die Region Böhmerwald/Sumava umfaßt, in einem Umkreis von rund hundert Kilometern, den bayerischen Böhmerwald (mit dem Landkreis Freyung/Grafenau, einem Teil des Landkreises Regen und einem Teil des Nationalparks Bayerischer Wald), das oberösterreichische Mühlviertel und den Nationalpark Sumava auf tschechischer Seite. Mehrere Jahrzehnte war das Dreiländereck eine abgeschottete, strukturschwache Grenzregion beiderseits des Eisernen Vorhangs.

Seit der Öffnung 1990 haben sich die Nachteile in Vorteile umgekehrt: So wurde zum Beispiel das militärische Sperrgebiet in Tschechien - ein einmaliger Naturraum mit Urwäldern - zum Nationalpark erklärt. Ökologische Tourismusprojekte wie der grenzüberschreitende Rad- und Wanderweg entlang des Schwarzenberger Schwemmkanals entstanden. Daneben sind Ceskì Krumlov, von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben, und die Adalbert-Stifter-Gedenkstätten zu Magneten eines Kulturtourismus geworden. Das Mühlviertel hat sich mit Projekten wie der "Mühlvierteler Bierreise" oder der "Weberstraße" hervorgetan. Und der bayerische Böhmerwald wird geschätzt wegen seines gut entwickelten Erholungsangebots mit Rad- und Wanderwegen sowie Langlaufloipen.

Im Verlauf des Projekts könnten die drei Teilregionen sich ergänzen und von den Stärken der jeweils anderen Partner lernen, hofft Naturfreunde-Generalsekretär Pils.

Das Hauptproblem der Region ist für Pils der mangelhafte öffentliche Verkehr. Deshalb wollen Naturfreunde aller Länder bei der Proklamation zur "Landschaft des Jahres" am 6. Juni am Grenzübergang Haidmühle/Nové Udolø für die Wiedereröffnung der dortigen Eisenbahnlinie mobil machen.