Ungewöhnliche Post erhielt dieser Tage Ernst Ulrich von Weizsäcker, Mitglied der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion und als Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie einer der Vorkämpfer für eine ökologische Steuerreform. Ausgerechnet Jürgen Strube, Vorstandsvorsitzender des Chemieriesen BASF und bisher neben dem BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel einer der unerbittlichsten Gegner der Ökosteuer, bedankte sich nämlich für das Gesetz, das in der vergangenen Woche die letzten Hürden genommen hat.

Der Grund: Durch diverse "Änderungen im parlamentarischen Prozeß" habe sich die für BASF zu erwartende Mehrbelastung von ursprünglich 131 Millionen auf 15,6 Millionen Mark pro Jahr reduziert. Dem stehe freilich, bekennt Strube, eine Entlastung durch niedrigere Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung in Höhe von 13 Millionen Mark gegenüber - was per Saldo für BASF (Umsatz: 54,1 Milliarden Mark) eine Nettolast von ganzen 2,6 Millionen Mark ergibt. Möglicherweise wird die Ökosteuer für BASF aber sogar noch zu einem Geschäft: dann nämlich, wenn für das unternehmenseigene Gaskraftwerk die bisher erhobene Gassteuer entfällt. Im Prinzip sehen das die Pläne der Bonner Koalition vor. Die Details müssen allerdings noch festgelegt werden.

Mit der bisher offenbar erfolgreichen Lobbyarbeit gibt sich Jürgen Strube allerdings nicht zufrieden. Nun gilt es für ihn, Schaden durch die von der Bundesregierung angekündigte zweite und dritte Stufe der Ökosteuer abzuwenden. Er dringe auf "baldige Klärung", daß auch diese Vorhaben "keine Belastung des Produktionsstandortes bedeuten", schreibt er an den Umweltschützer Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Der kann mit dem Testat von BASF zwar nun belegen, daß die Ökosteuer alles andere als wirtschaftsfeindliches Teufelswerk ist - wird sich aber vielleicht fragen lassen müssen, ob die Reform nicht eine soziale Schieflage hat.