Bundeskanzler Schröder hat sich vorgenommen, eine bessere Verständigung zwischen der Türkei und der EU zustande zu bringen. Um die Türkei auf den Beitritt vorzubereiten, will er noch während der deutschen Ratspräsidentschaft ohne Umschweife feststellen, daß sie ein Beitrittskandidat ist - ein Etikett, das ihr seit Ende 1997 verweigert wird. Dabei beharrt der Kanzler auf der Erfüllung der normalen Beitrittskriterien, macht sie jedoch nicht zur Vorbedingung des Kandidatenstatus.

Schröders Emissär hat in Ankara zwar aufmerksames Gehör gefunden, ist zugleich aber auf tiefe Skepsis gestoßen. Die Türken sind noch immer verschnupft über die Art, wie sie von der EU jüngst zurückgesetzt worden sind. Schon unter Ecevits Vorgängern verweigerten sie den politischen Dialog mit Europa und ließen trotzig anklingen, sie hätten schließlich auch andere Orientierungsmöglichkeiten.

Die Schlüsselstellung der Türkei als Regionalmacht, ihre strategische Position in Eurasien, die strategische Partnerschaft mit Amerika und neuerdings Israel eröffnen den Türken nach ihrer Ansicht ganz andere Optionen als die EU-Mitgliedschaft. Dabei übersehen sie oder verschweigen sie, daß der Türkei das wirtschaftliche Gewicht fehlt, um die Rolle der eurasischen Schlüsselmacht glaubwürdig zu unterfüttern - abgesehen davon, daß sie die Hälfte ihres Handels mit der EU treibt.

Die Europäische Union hat die Türken schnöde behandelt. Ohne Not wurden sie aus dem EU-Wartesaal gewiesen. Die beim Abschluß der Zollunion 1996 zugesagten Finanzhilfen von rund 2,2 Milliarden Mark werden von Griechenland blockiert. Bis heute werden die Vertreter Ankaras nicht zu Fachministertagungen geladen. Die vage "Europa-Strategie" anstelle einer klaren "Beitritts-Strategie" empfinden die Türken als kränkend.

Andererseits verschließen sie die Augen davor, was der EU-Beitritt ihnen an Anpassung abverlangt. Sie betonen die Holschuld Europas, ignorieren die eigene Bringschuld. Im Chaos ihrer prinzipienlosen Parteienpolitik ist ihnen Europa ein willkommener Prügelknabe. Dies wirft einen Schatten auf Schröders Verständigungsversuch.