Hamburg

Auch im Freistaat Bayern gibt es die doppelte Staatsbürgerschaft. Das muß einmal gesagt sein. Denn diese Tatsache ist vermutlich der Grund, weshalb die Staatsregierung in München so vehement gegen die Pläne der rot-grünen Bundesregierung für eine doppelte Staatsbürgerschaft wettert. Würde die nämlich eingeführt, käme es im Freistaat Bayern zu Fällen einer dreifachen Staatsbürgerschaft. Eine fatale Situation für all jene, die nicht nur verfassungspolitisch nicht bis drei zählen können.

Nein, geehrte Leser, Sie sollen hier nicht auf gut bayerisch derbleckt werden. Die Lage ist vielmehr, wie sie ist, nämlich bedenklich wie bedenkenswert. In der Verfassung des Freistaates Bayern heißt es im Artikel 7: "Staatsbürger ist ohne Unterschied der Geburt, der Rasse, des Geschlechts, des Glaubens und des Berufs jeder Staatsangehörige, der das 18. Lebensjahr vollendet hat." So weit, so gut. Daß sich aber diese unterschiedslose Staatsbürgerschaft auf die des Freistaates Bayern beschränkt, wird schlüssig aus Artikel 8 ersichtlich: "Alle deutschen Staatsangehörigen, die in Bayern ihren Wohnsitz haben, besitzen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten wie die bayerischen Staatsangehörigen." Die deutschen Zuwanderer im Freistaat, denen die weißblaue Sonne auf ihren Wohnsitz scheint, werden zwar nicht zu Bayern, aber diesen doch in Rechten und Pflichten gleichgestellt. Wohl haben sie keinen Doppelpaß, aber immerhin eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Und die Bayern? Sie besitzen desgleichen ihre doppelte Staatsbürgerschaft: die bayerische eh und die deutsche zwangsläufig beziehungsweise automatisch seit 1949 und dem Beitritt des Freistaates zur Bundesrepublik Deutschland (Artikel 178 der Bayerischen Verfassung).

Was ist aber mit den Bayern, die den Freistaat, ihre angestammte Heimat, verlassen und ins restliche Deutschland oder gar ins übrige Ausland auswandern? Behalten sie neben der deutschen auch ihre bayerische Staatsangehörigkeit? Verlieren sie ihre bayerische Staatsangehörigkeit? Und, wenn ja, was aber schwer vorstellbar ist, erhalten sie sie nach ihrer Rückkehr zurück?

Wir erwarten Aufklärung aus der Bayerischen Staatskanzlei.

Bernhard Wördehoff ist Journalist in Hamburg.