Dies ist der letzte Aufruf für alle Kubaner, Jamaikaner, Puertoricaner: Baut Bockwurstbuden, importiert Hansa Pils in Massen, zimmert Kioske für den tagesaktuellen Verkauf der Bild-Zeitung und lernt Deutsch! Damit könnt Ihr reich werden. Denn 30 Millionen Bundesbürger werden demnächst in die Karibik jetten, orakelt ein in Hamburg ansässiger Freizeitpapst. Aus seiner Volksabstimmung "Wo wir in Zukunft Urlaub machen" ging die Karibik mit 45 Prozent als eindeutiger Wahlsieger hervor. Damit liegen die Antillen um einiges vor der SPD.

Demoskopie, touristische zumindest, ist auch bloß Unterhaltung. Alljährlich im März rufen selbsternannte Ferienforscher jene Trends aus, mit deren Widerruf sie im kommenden Jahr ihr Geld verdienen werden. "Mehr Stagnation als Wachstum" deklamiert der eine, die Süddeutsche Zeitung, von den vielen Zahlen sichtlich schwindlig, hält dagegen: "1998 haben insgesamt vier Millionen Deutsche Urlaubsreisen unternommen."

Papier ist geduldig, weshalb auch niemand mehr nachfragt, warum eine große Bank Italien zum "beliebtesten Reiseland" der Deutschen ausruft. Ein fast ebensogroßes Freizeitforschungsinstitut führt in derselben Kategorie Spanien als einsamen Marktführer. Offenbar handelt es sich hier um einen neurotischen Zählzwang, der sich laut klinischem Wörterbuch darin äußert, "daß man sich unwiderstehlich getrieben fühlt, gleichgültige Dinge (Pflastersteine, Personen) zu zählen oder mit ihnen eine Rechnung auszuführen".

Besonders ausgeprägt sind diese Symptome bei der World Tourism Organization (WTO). Deren Buchhalter zählten 445 Milliarden Dollar, die letztes Jahr von Auslandsreisenden weltweit verjubelt wurden. Tendenz natürlich steigend. Aber welche Erkenntnis liefert eine Statistik, die den Skiausflug eines Münchners übers Wochenende nach Kitzbühel registriert, aber nicht den zweiwöchigen Winterurlaub einer Hamburger Familie im Schwarzwald?

Wir fassen zusammen: Auch in diesem Jahr werden wieder Millionen Menschen in aller Herren Länder Milliarden ausgeben. Die Zahl der Reisenden wird mit einiger Sicherheit steigen, sinken oder stagnieren. Und wenn die Leute aus Benidorm oder Rimini zurück sind, werden sie den Marktforschern wieder zu mindestens 45 Prozent vorschwindeln, daß sie nächstes Mal in die Karibik fahren.