Luther würde jauchzen. Oder ist es etwa nicht in seinem Sinn (Apfelbäumchen pflanzen, wenn morgen die Welt untergeht), daß am 9. April auf der ganzen Welt Menschen den Beischlaf planen? Das Datum haben Experten als idealen Zeugungstermin für das Millenniumsbaby errechnet. Und da sich laut Bild- Zeitung "Millionen Paare" das eine wünschen (ein Baby, geboren am 1.1.2000, pünktlich um 0.00 Uhr), werden sich an diesem 9. April Millionen zum Zeugen ins Bett begeben. Laut Psychotherapeut Ludwig Janus aus Heidelberg eine "schöne Gegenreaktion" zur Weltuntergangsangst.

Statt Apokalypse also am 1. Januar der große Schöpfungsakt. Drängeln im Kreißsaal - vergessen die Angst, daß beim Datumswechsel mit den Computern auch die medizinischen Hilfsgeräte ihren Dienst versagen könnten. Der Rummel um den pünktlichsten Schreihals ist weltweit entbrannt. Zwei Millionen Dollar Prämie bietet eine kanadische Firma. Großzügig zu willigen Paaren sind TV-Sender bereits heute. Als Gegenleistung für Details aus der Zeugungsnacht und Live-Aufnahmen bei der Geburt bieten sie Nächte in luxuriösen Liebesnestern. Bevor die Ausgesuchten zur Sache gehen, dürfen sie à discrétion Austern und Spargel futtern und zum Nachtisch "Venushügel" aus Schokolade schlemmen.

Wer denkt, da spiele Zufall mit, täuscht sich. Spitzenpaare im Wettbewerb überlassen das Befruchten Reproduktionsmedizinern. Mit Hormonkuren legen sie den Eisprung zielgenau auf Anfang April. Auch beim Gebären sind sie unabhängig vom störanfälligen Flugbetrieb der Störche. Falls wir uns zeitlich verschätzen, sagt ein Paar aus San Diego, "holen wir das Baby mit Kaiserschnitt". Den Sieger werden jene unter sich ausmachen, die mit Wehenhemmern, Arzt und Skalpell auf ein Eiland nahe der Datumsgrenze ziehen.

Freuen wir uns. 2000 wird mit einem Weltrekord eingeläutet: Nie haben gleichzeitig so viele Kinder das Kunstlicht der Welt erblickt. Um fünf vor zwölf werden die Messer gezückt und pünktlich um 0.00 Uhr die Scharen geschichtsträchtiger Säuglinge ins neue Jahrtausend gezerrt.