Arthur Eisenmenger ist so alt, daß er nicht nur mit seinem Berufsleben, sondern auch schon fast mit seinem Pensionärsdasein abgeschlossen hatte. Er könne nicht mehr reisen, klagt er, das Denken und das Sprechen machen sichtlich Mühe. Jeden Tag geht er um halb acht ins Bett. Eisenmenger ist 84 Jahre alt, und 25 Jahre ist es schon her, daß er aus dem Beruf ausschied. In einer Luxemburger EU-Behörde mit dem schönen Namen Amt für amtliche Veröffentlichungen leitete er einst die Grafikabteilung.

Vor rund zwei Jahren indes ist noch einmal mächtig Leben in Eisenmengers Glieder gefahren. Nun wünscht er sich, er wäre noch jünger und rüstiger, um seinen Ruhm so richtig zu genießen. So wie jetzt saß Eisenmenger in seinem wuchtigen blauen Cordsessel im Wohnzimmer des riesigen Einfamilienhauses, das er mit seiner Frau bewohnt, und sah sich die Fernsehnachrichten an. In einem Bericht wurde der Öffentlichkeit zum erstenmal das Symbol des Euro präsentiert. Eisenmenger traute seinen Augen nicht: "Plötzlich war das Zeichen riesengroß auf dem Bildschirm. Mein E!" Bis ins Detail identisch mit seinem Entwurf! Die Rundung, zu knapp drei Vierteln geschlossen, selbst die an den Seiten abgeschrägten Doppelstriche "haben sie gelassen".

Das wurmt Herrn Eisenmenger und auch seine Frau. Als das ZDF eine Sondersendung zum Euro mit Zuschauerbeteiligung ausstrahlte, erzählt Frau Eisenmenger, habe sie anrufen und der Öffentlichkeit die Urheberschaft ihres Mannes mitteilen wollen, nur leider sei sie nicht durchgekommen.

Zumindest im Wohnort des Rentnerpaares, in Eislingen an der Fils, einer kleinen Industriestadt zwischen Stuttgart und Ulm, wissen es die Leute inzwischen. Dort haben es die Eisenmengers überall erzählt. Sein Hausarzt brüste sich inzwischen damit, daß der Erfinder des Euro-Symbols zu seinen Patienten zähle, grinst Eisenmenger. Irgendwann stand es in der Lokalzeitung, diese Woche hat sich das ZDF zum Besuch angesagt. So erfährt der alte Mann doch noch die Anerkennung, um die er sich bisher betrogen fühlte.

Nicht, daß er besonders publicitysüchtig wäre. Sein ganzes Berufsleben lang war er ein anonymer Diener der Kunst. Ganze Bücher habe er entworfen, erzählt er, ohne daß er als Urheber an irgendeiner Stelle genannt worden wäre, etwa die Schulbücher für die Europäischen Schulen, die die Sprößlinge der EU-Beamten besuchen. Auch berühmte Zeichen, den EU-Bürgern bestens vertraut, stammten aus seiner Feder - darunter das CE-Zeichen für Euronormen, das auf Gebrauchsgegenständen aller Art prangt, oder die blaue EU-Fahne mit dem weißen Sternenkranz.

Der Erfinder des s fühlt sich um seinen Ruhm betrogen

Mit dem n ist es jedoch etwas anderes, an dem hängt er, an dem hat er immer wieder gearbeitet. Das Problem ist nur: Wird man ihm glauben? Denn bei der EU findet sich niemand mehr, der sich noch an Arthur Eisenmenger erinnert. Der heutigen Leiterin des Amts für amtliche Veröffentlichungen ist sein Name kein Begriff. Es ist einfach zu lange her. Als Eisenmenger ausschied, hieß die EU noch EWG.