Wenn das keine traumhaften Zustände für Unternehmer und Manager werden: Konnte bisher ihre Lobby durch lautstarke Proteste nur einzelne, besonders schmerzhafte Rotstiftaktionen von Regierung und Parlament verhindern, so soll die Wirtschaft jetzt praktisch selbst bestimmen dürfen, welche Subventionen der Staat streicht - und damit auch, welche staatlichen Hilfen sie behält.

Doch Vorsicht! Das überraschende Angebot des Bundeswirtschaftsministers Werner Müller, sich von den Spitzenverbänden der Wirtschaft eine Streichliste zusammenstellen zu lassen, bedeutet keinesfalls, daß sich die Regierung unter dem betont unternehmerfreundlichen Kanzler Gerhard Schröder nun endgültig den Interessenvertretern ausliefern will. Tatsächlich ist die scheinbar großzügige Offerte nur ein raffinierter Versuch Müllers, nach den allenfalls mäßigen Erfolgen seiner Vorgänger endlich einen größeren Schritt beim Subventionsabbau voranzukommen. Denn Müller hat mit gutem Grund den Umfang der Unternehmensteuerreform vom Ausmaß der Kürzungen bei den Staatshilfen abhängig gemacht.

Doch jetzt müssen die Wirtschaftsverbände beweisen, daß es nicht nur Sonntagsreden waren, wenn ihre Topfunktionäre den Staat markig zum Sparen aufgefordert haben. Pauschale Erklärungen, alle Subventionen gehörten auf den Prüfstand und 20 Prozent seien auf jeden Fall überflüssig, reichen nicht mehr aus. Und es ist auch zu billig, wenn die Luftfahrtindustrie auf die Landwirte, wenn der Wohnungsbau auf die Werften verweist, aber die Hilfen für die eigene Branche zum unantastbaren Besitzstand erklärt. Statt den Widerstreit der Interessen weiterhin auf die Politik abzuwälzen, müssen ihn die Lobbyisten untereinander austragen und dann konkret benennen, welche Unterstützung in welcher Höhe gekürzt werden soll.

Der Politiker und Exmanager Müller hat der Wirtschaft geschickt den Schwarzen Peter zugeschoben. Damit wird es für die Wirtschaft wirklich ernst - und der Traum sehr schnell zum Alptraum.