In der Branche herrscht kein Zweifel. Zutrauen würde man Gerhard Schmid einen solchen Coup allemal. Der umtriebige Gründer, Chef und Mehrheitsaktionär der kleinen Telefonfirma MobilCom aus Schleswig soll derzeit heftig damit beschäftigt sein, einen Milliardendeal einzufädeln. Er wolle, so verdichteten sich zu Beginn der Woche die Gerüchte, den Rivalen o.tel.o schlucken.

Eine solch spektakuläre Übernahme wäre die erste Sensation dieser Art auf dem noch jungen Telekommunikationsmarkt. Im Grunde warten alle darauf. Schon lange ist die Rede davon, daß längst nicht alle Einsteiger überleben werden. Und der Düsseldorfer Konzern o.tel.o agierte bislang eher glücklos.

Veba-Sprecherin Marie-Luise Wolff gab noch zu Beginn der Woche lediglich preis, daß man mit MobilCom über die Nutzung von Leitungen rede. Davon hat o.tel.o nämlich mehr als genug. Das Unternehmen baut, ähnlich wie die beiden weiteren Netzbetreiber Viag und Mannesmann Arcor, mit viel Geld eine eigene Infrastruktur aus. MobilCom hingegen beschränkte sich bislang darauf, Kapazitäten - je nach Bedarf - anzumieten, bislang vorzugsweise bei der Telekom.

Nicht nur diese Strategie machte Gerhard Schmid zum Star der turbulenten Branche. Er bot gleich von Beginn an das call by call- Verfahren an, bei dem sich die Kunden von Fall zu Fall die Telefongesellschaft auswählen können, ohne eine langfristige Verbindung eingehen zu müssen. Außerdem hängte er zunächst seine vielen Konkurrenten mit einem simplen Billigtarif ab: 19 Pfennig pro Minute und zu jeder Zeit.

Obwohl MobilCom mittlerweile längst nicht mehr zu den günstigsten Anbietern zählt, gelingt es dem PR-Profi Schmid immer wieder, die Schlagzeilen zu erobern. Nachdem seine umstrittenen Telekom-Attacken nicht mehr so recht zogen, lockte er Kunden mit Telefonaten zum Nulltarif, auch wenn seine Leitungen dem Ansturm gar nicht gewachsen waren. Ziemlich dreist ließ er selbst den Bundeskanzler für sich Reklame machen - freilich ohne ihn zuvor zu fragen.

Schmid galt schon immer als Enfant terrible der Branche. Als 1991 das Monopol beim Mobilfunk fiel, ließ er sich die Chance nicht entgehen. Er stieg als Diensteanbieter in das seither boomende Geschäft ein. Und als dann zu Beginn des vergangenen Jahres der gesamte Telefonmarkt geöffnet wurde, ging Schmid mit nur 50 Leuten und 8 Rechnern ins Rennen. Beide Engagements brachten ihm 1998 fast 1,5 Milliarden Mark Umsatz und 140 Millionen Mark Gewinn.

Von solchen Zahlen kann Thomas Geitner, der Chef von o.tel.o, nur träumen. Er führt erst seit neun Monaten die Geschäfte der jungen Telefonfirma - und muß dort kräftig aufräumen. Der Start auf dem vielversprechenden Markt ist, gelinde ausgedrückt, mißlungen. Deshalb mußte sein Vorgänger den Chefsessel räumen.