Durch die geöffnete Tür sah ich, wie sie mit dem langen Nagel ihres russischen Zeigefingers ein Loch in das Transparent stieß, das ich über das Küchenfenster gespannt hatte, um dann durch das Loch in die toten Seelen der Nachbarn zu spähen, was mich peinlich berührte. Schön hast du es hier, rief sie.

Dann kam sie zurück in mein Zimmer und setzte sich, eine Untertasse in der Hand, auf meine Bettkante. Und was für Pflanzen, wie man sich täuschen kann! Ein Träumer, der sich Lebewesen hält in der Wohnung. Sie rückte näher an mich heran und blies mir Rauch ins Gesicht. Mich fröstelte. Ich drehte das Kissen auf die andere Seite, dann warf ich es auf den Boden, was auch nicht half; die Feuchtigkeit war schon in die Matratze gedrungen.

Schlechte Nachrichten, sagte Tamara gedehnt, immer dieselben schlechten Nachrichten, man sollte das alles abschaffen, so geht nichts voran. Liebevoll drückte sie die Zigarette in der Untertasse aus, stand auf, schaltete das Radio ab und kam zurück zum Bett. So taugst du wirklich zu gar nichts, sagte sie und zog mich so kräftig an den Haaren, daß ich vor Schmerz die Augen aufriß. Du solltest ein heißes Bad nehmen. Sie lachte wieder, und an ihrem Lachen hörte ich, wie genau sie wußte, daß ich gar keine Badewanne besaß, daß die Badewanne und Schwäne endgültig der Vergangenheit angehörten und daß die Zukunft aus nichts anderem bestand als aus einer lauwarmen Dusche.

Sie hatte gewonnen. Ich fühlte mich schuldig, erschöpft, ohne zu wissen, wofür und wovon, ich saß in der Falle. Erst unter der Dusche fand ich meine Sprache wieder, während Tamara mich von oben bis unten einseifte. Sie tat es, was mich be- traf, gründlich, sie war sparsam, ihr Lippenstift und ihre Wimperntusche blieben von der Prozedur vollkommen unberührt. Und wie bist du hier hereingekommen? fragte ich. Die Hand mit der Seife hielt einen Augenblick lang über meinem linken Schulterblatt inne. Tamara lachte. Solange ich Max kenne, habe ich noch nie vor einer verschlossenen Tür gestanden, sagte sie. Dann fuhr die Hand mit der Seife entschlossen zwischen meine Schulterblätter, von dort aus hinauf an den Hals und bis unter das Kinn an die Kehle. Arme hoch! kommandierte Tamara. Ich hob gehorsam die Arme. Als ich sie wieder herunternehmen durfte und versuchte, ihr Handgelenk zu erwischen, klingelte auf der Bettdecke das Telefon, und die Seife fiel ins Duschbecken.