Am Fuß des Fernsehschirms wird ein Laufband eingeblendet. "Neue Luftangriffe beginnen", steht darauf. Niemand reagiert. Vor zwei Tagen hatten sie hier noch gejubelt, als die ersten Jets starteten, als die ersten Bomben fielen - als sie alle noch hofften, die Nato werde das Morden im Kosovo beenden. Jetzt wird nicht mehr gejubelt. Wohl fünfzig Männer starren auf eine Frau im gelben Blazer. Die Männer sitzen im Klub Kosova in Hamburg-Wilhelmsburg. Die Frau ist Sprecherin des albanischen Fernsehens, und sie überbringt schlechte Nachrichten: Massaker an Kosovaren. Einige Männer beginnen zu weinen, andere blicken starr auf den Boden, wieder andere fuchteln stumm mit den Armen. Was soll man schon sagen.

Im Klubraum des albanischen Fußballvereins hängen Bilder von Ibrahim Rugova und anderen Helden. Eine Vitrine mit Pokalen erinnert an bessere Zeiten. Vorvergangene Saison waren sie Meister in der Kreisliga 4. Und ganz früher haben die Kosovaren noch gegen serbische Teams aus Hamburg-Altona gespielt. Das ist natürlich vorbei. Vorbei auch die Freundschaften. "Meine besten Freunde waren Serben", erzählt einer. Jetzt gehe man sich aus dem Weg: "Ich setze mich nicht mehr mit denen an einen Tisch, die bringen doch unsere Landsleute um."

Wird nach dem türkisch-kurdischen Konflikt nun auch der Kampf um das Kosovo auf deutschen Straßen fortgesetzt werden? Undenkbar, meint Dragica Brügel, Flüchtlingsbetreuerin beim Jugendamt in Hamburg-Altona. Die Feindbilder des Balkans hätten unter den 72 000 Jugoslawen in Deutschland kaum Bestand. Die meisten seien "im Sinne Titos" erzogen worden und interessierten sich nicht für ethnische Unterscheidungen. Die jüngsten Balkankriege hätten sie entfremdet, aber nicht zu Feinden gemacht.

Der neue Feind ist für die Serben die Nato. Tief verletzt sind sie, weil auch deutsche Flugzeuge Bomben werfen. Ihre zweite Heimat im Krieg gegen die erste. "Das Klima wird vergiftet", fürchtet Christos Ozrenac. Seit 28 Jahren lebt er in Deutschland, seine Kinder sind hier geboren, "da war soviel Vertrauen in dieses Land, das ist jetzt weg". Seine Kinder haben hier gelernt: "Nie wieder Krieg!" Und nun die Bomben. Immer sei er gegen Milocevic gewesen, "jetzt stehe ich hinter ihm, jeder Serbe auf der Welt steht hinter Milocevic".