Vor 30 Jahren erhob sich zum ersten Mal der Prototyp einer neuen Generation von Flugzeugen in die Lüfte: Am 2. März 1969 startete die erste Concorde. Doch das Ende der schlanken Überschallmaschinen naht. Die zwölf Concordes von British Airways und Air France sind im Durchschnitt 20 Jahre alt und müssen in den nächsten 10 bis 15 Jahren ausgemustert werden. Neue Concordes sind nicht geplant: Die Herstellung der eleganten Flieger ist teuer, Treibstoffverbrauch und Umweltbelastung sind zu hoch. Außerdem bietet die Concorde nur Platz für 100 Passagiere, und immer weniger sind bereit, für ein Hin-und-Rückflug-Ticket Paris-New York 9000 Dollar zu zahlen - auch wenn sie mit 2,5facher Schallgeschwindigkeit über den Atlantik düsen.

Einen Concorde-Nachfolger wird es in der zivilen Luftfahrt so schnell nicht geben. Boeing hat seine Pläne für einen neuen Überschallflieger vorerst auf Eis gelegt. Die Wirtschaftskrise in Asien und ein leichter Rückgang der Aufträge sprechen gegen die Investition in ein technisch ehrgeiziges Projekt, für das es noch keinen Markt gibt, begründet Boeing die Entscheidung. Aber es gibt noch Menschen, die an die Zukunft des überschallschnellen Luftverkehrs glauben. Einer von ihnen ist Preston Carter, auf dessen Reißbrett sich bereits konkrete Pläne für einen futuristischen Gleiter namens HyperSoar befinden.

Bei seinem Projekt setzt Carter auf einen Zwitter aus Rakete und Jet, der die besten Eigenschaften des jeweiligen Typs ausnutzt. Dabei kommt ihm die Entwicklung neuer Triebwerke zugute, die vor allem von der amerikanischen Raumfahrtagentur Nasa vorangetrieben wird. Das eine ist ein Aggregat namens Ramjet, bei dem es im Vergleich zu herkömmlichen Düsenmotoren keine turbinengetriebenen Kompressoren gibt. Statt dessen wird die von außen in das Triebwerk einströmende Luft auf einfache Schallgeschwindigkeit (Mach 1) abgebremst und gelangt dann direkt in die Brennkammer. Dort wird Treibstoff zugespritzt und gezündet, die austretenden Verbrennungsgase sorgen für den Antrieb.

Dieses System wird bereits in dem zur Zeit schnellsten bemannten Flugzeug genutzt, dem SR-71 Blackbird der US-Airforce, der mit Mach 3,5 durch die Lüfte fliegt. Ab Mach 6 jedoch bekommt ein Ramjet Probleme - die einströmende Luft wird regelrecht abgewürgt. Die Lösung für dieses Problem heißt Scramjet, zu deutsch "Hyperschall-Staustrahl-Triebwerk mit Überschallverbrennung". Bei ihm wird die Luft fast ungebremst mit Mach 3 oder 4 durch die Brennkammer geleitet. Diverse Tests im Windkanal haben gezeigt, daß Scramjets Geschwindigkeiten von Mach 7 bis Mach 10 problemlos meistern können. Im Januar 2000 soll der potente Nasa-Antrieb zum ersten Mal in einem Fluggerät namens Hyper-X in die Luft gehen.

Dieser Flieger ist allerdings nicht für den Passagierverkehr gedacht, sondern als günstiges Transportmittel ins All. Hyper-X ist als Alternative zum teuren Spaceshuttle geplant, der mit herkömmlichen Raketen in den Orbit geschossen wird und daher riesige Wasserstoff- und Sauerstofftanks braucht. Der Scramjet dagegen saugt den Sauerstoff aus der Atmosphärenluft.

Verschiedene amerikanische Hersteller gehen noch einen Schritt weiter und versuchen gleich drei Triebwerkssysteme zu vereinen: Raketenantrieb, Ramjet und Scramjet. Sol- che Rocket-Based-Combined-Cycle-Triebwerke (RBCC) werden unter anderem von der Firma GenCorp Aerojet in Sacramento entwickelt. Am Lewis-Forschungszentrum der Nasa in Cleveland (Ohio) wurden die Kombitriebwerke bereits im Windkanal und am Boden getestet. Auf das Kürzel RBCC setzt auch Preston Carter: Der HyperSoar soll mit Raketenantrieb starten und während des Fluges auf Ramjet beziehungsweise Scramjet umschalten.

Sollte der HyperSoar sich je in die Lüfte erheben, so wird die Reise für die 500 Passagiere ein recht unkonventionelles Erlebnis sein. Der keilförmige Hypergleiter soll überwiegend oberhalb der Atmosphäre fliegen und somit ein heißes Problem der hyperschnellen Fliegerei umgehen. Denn bei Reisen durch die Atmosphäre mit Mach 5 oder schneller entwickelt sich durch den Luftwiderstand eine enorme Hitze um den Flugkörper.