Zeit für Scherze. April! April! Das Repertoire reicht von den grobschlächtigen Varianten ("Dein Hosenladen ist offen") bis hin zu eher graziösen Albernheiten nach Art jener Kolumne im Scientific American vor einigen Jahren, in der - mit einigem Erfolg, wie sich später auf der Leserbriefseite niederschlug - berichtet wurde, man habe herausgefunden, daß Farbenblindheit nicht genetisch bedingt, sondern angeboren sei ...

Die Frage ist: Was macht uns eigentlich am 1. April so neckisch? Woher stammt der Brauch? Als Antwort hört man häufig, es habe damit zu tun, daß der 1. April der Geburtstag von Judas Ischariot sei, dem Erzverräter, der Jesus dem Tod überantwortete. Aber kann diese Auskunft überzeugen? Kann man ernsthaft annehmen, dieser Verrat gäbe uns das Recht, am Geburtstag des Judas mit unseren Mitmenschen Schabernack zu treiben?

"Aprilscherze" sind im deutschen Sprachraum ohnehin erst im 17. Jahrhundert bezeugt, passend zur Epoche des Barock mit ihrer Neigung zu derbsinnlichen Vergnügungen. So wird von dem Dichter Hartmann zu Oberwaldein (1613 bis 1689), Verfasser von schlüpfrigen Lustspielen und Schelmenromanen, berichtet, daß er, mit einer schönen Frau zu Bette und dabei von deren Ehemann überrascht, das Laken über den Kopf der Frau gebreitet und den Eindringling gebeten habe, den nackten Körper der Unbekannten zu betrachten, worauf dieser "schier in Raserey" geriet, aber nicht die eigene Frau erkannte. Darauf Oberwaldein: "Am Tag des Judas hab' ich itzt / ihm just sein Dämlein wegstibitzt."

So reimte er jedenfalls später, gesagt wird er wohl nichts dergleichen haben. Wenn es denn überhaupt stimmt - denn dieselbe Anekdote wird bei Brantôme (1540 bis 1614) in dem Wälzer Das Leben der galanten Dame auch über Herzog Ludwig von Orléans berichtet, und Oberwaldein kannte das Buch.

Überzeugender scheinen in Sachen April die Indizien, die ins Altertum weisen. Der April war ja ursprünglich der zweite Monat nach dem Januarius, an dessen erstem Tag auch für die Römer das Jahr begann. Sie hatten dieses Jahr freilich auf 355 Tage bemessen und fügten jedes zweite Jahr einen Schaltmonat zu 22 Tagen, jedes vierte Jahr einen zu 23 Tagen ein - das Durchschnittsjahr maß so 366 1/4 Tage und war gegenüber der "wirklichen" Umlaufzeit der Erde um die Sonne eindeutig zu lang.

Die Abweichungen häuften sich auf Dauer natürlich an und hatten sich im Jahre 47 vor der uns geläufigen Zeitenwende auf drei Monate summiert, als ein entschlossener junger Mann namens Gaius Julius Cäsar auch in kalendarischen Fragen das Heft in die Hand nahm. Der von ihm eingeführte Julianische Kalender, der sich auf Berechnungen des Astronomen Sosigenes stützte, legte ein Jahr mit 365 1/4 Tagen fest; jedes vierte Jahr im Februar wurde ein Schalttag eingefügt. Freilich mußte erst die Altlast an Zusatztagen aus der Welt geschafft werden - weshalb Cäsar anordnete, das Jahr 46 solle 445 Tage haben und "das letzte Jahr der Unordnung" (annus confusionis ultimus) heißen.

Diese Kalenderreform legte auch fest, daß der April künftig der vierte Monat im Kalender zu sein habe, wie er es bis heute geblieben ist. Damit - so kommen wir zum Thema zurück - machte sich der energische Erfolgsmensch Cäsar keineswegs überall beliebt. Als der etwas schwatzhafte Oppositionspolitiker Marcus Tullius Cicero einmal gefragt wurde, ob heute nacht das Sternbild der Leier zu sehen sei, soll er geantwortet haben: "Ja, auf Befehl!"