Ich gebe Ihnen recht: Deutschland braucht ein offenes Energiekonzept. Mit der Abschaltung der Atomkraftwerke ist die zukünftige Energieversorgung des Landes nicht gesichert. Keine einzige neue Energiequelle wäre dadurch entdeckt, keine einzige Kilowattstunde eingespart. Allerdings ist für mich nicht nachvollziehbar, in welch einseitigem Licht Sie die "Vorzüge" der Atomkraft preisen.

Nach Ihrer Meinung wäre es gefährlich, einer verdoppelten Menschheit eine Energiequelle zu verweigern, die "kein Klimagift abgibt und außerdem noch wirtschaftlich ist". Sie haben recht, klimaschädliche Stoffe scheidet ein Atomkraftwerk nicht aus. Wohl aber Stoffe, die unmittelbar für den Menschen zu einer Gefahr werden können. Und was die "Giftigkeit" nach einem Störfall angeht, darüber müssen wir seit Tschernobyl nicht mehr reden. Da helfen wahrscheinlich auch nicht die von Ihnen so hoch gepriesenen deutschen Fachleute, die überall auf der Welt auch aus dem schrottreifsten Atommeiler eine Hochsicherheitsanlage machen könnten. Was nützt aber der beste technische Ratschlag, wenn in den Betreiberländern das Geld fehlt, diesen dann auch umzusetzen.

Interessant auch Ihre These, Atomkraft seit wirtschaftlich. Jede Technologie ist wirtschaftlich, die über Jahrzehnte mit öffentlichen Forschungsgeldern aufgebaut wird, die Steuervorteile in hohem Maße genießt und die ihre Risiken zu großen Teilen einfach auf die Allgemeinheit abwälzt.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu Ihrer These, nuklearer Müll habe einen Vorteil, da er sich auf minimalem Raum lagern läßt. Als wenn das Platzproblem entscheidend wäre! Es geht doch darum, Lagerstätten zu finden, in denen dieser Müll über mehrere tausend Jahre (!) sicher eingelagert werden kann. Da hilft auch kein Hoffen auf Technologien, die aus dem Müll neue Energien gewinnen. Wer sagt Ihnen, daß diese Technologien überhaupt einmal erfunden werden?

Kein Wort in Ihrem Artikel über Einspartechnologien und erneuerbare Energien. Das aber verstehe ich unter einer offenen Energiepolitik: einen Energiemix, der das Sicherheitsbedürfnis der Menschen nicht außer acht läßt, der die Umwelt soweit wie möglich entlastet und der auf eine Weise Strom produziert, vor deren Müllbergen nachfolgende Generationen keine Angst haben.

Matthias Hasberg Hannover

Unter Strom ist ein eindrucksvoller Appell an die Vernunft; in brillanter Kürze und Klarheit ist alles gesagt, worauf es ankommt. Möge es in die richtigen Ohren geraten.