Trotz erheblicher Rationalisierungen im Personalbereich und der Reduzierung ihres Interregio-Angebots im Sommerfahrplan erhöht die Deutsche Bahn (DB) vom Gründonnerstag an ihre Fahrpreise im Fernverkehr. In den alten Bundesländern steigen die Tarife um 1,5 Prozent, im Osten sogar um 5,3 Prozent. Auf dem Gebiet der ehemaligen Reichsbahn sind Reisen mit dem Zug damit nicht mehr billiger als im Westen. Für einen Bahnkilometer werden im Fernverkehr nun 27,2 Pfennig berechnet.

Bemerkenswert ist, wie die DB die drastische Anhebung der Reservierungsgebühr von bisher 3 Mark in ihrer neuen Preisbroschüre anpreist: "Mit nur 5 DM sind Sie dabei."

Auch bei ihren drei Millionen Stammkunden langt die DB zu: Alle Bahncards werden um 8,3 Prozent teurer. Die Basiskarte für die zweite Klasse kostet mit 260 Mark künftig 20 Mark mehr als bisher, die für die erste Klasse erhöht sich entsprechend um 40 auf 520 Mark. Die Bahn verweist aber darauf, daß im Kaufpreis von April an vier Platzreservierungen inklusive sind. Außerdem gelten die Partnerkarten (130 Mark) nun auch für zusammenlebende unverheiratete Paare, gleich welchen Geschlechts. Dagegen werden Bahncards nicht mehr mit integrierter Kreditkarte angeboten. Das Angebot hatte sich nicht gerechnet, weil nur wenige ihre Bahncard auch als Zahlungsmittel einsetzten.

Spürbar billiger werden die Plastikkarten für die meisten Familien: Sie kosten statt 120 Mark nur noch 65 Mark. Außerdem können Kinder diese Bahncard auch benutzen, wenn sie allein auf Reisen gehen. Allerdings erhalten kinderreiche Familien künftig keine kostenlosen Bahncards mehr, sie müssen nun ebenfalls 65 Mark zahlen. Den Nachwuchs befördert die Bahn bis zum sechsten Geburtstag (bislang bis zum vierten) von April an grundsätzlich kostenlos.

Von April an gibt es die Wahl zwischen mehreren neuen Sonderangeboten: Für beliebig weite Hin- und Rückfahrten in allen Zügen mit Ausnahme des ICE wird ein neuer Super-Sparpreis für 199 Mark angeboten, der jedoch nicht freitags und sonntags gilt. Der bisherige Sparpreis, der an allen Wochentagen benutzt werden kann, wird allerdings um 30 Mark teurer und kostet nun 249 Mark.

In allen Fernzügen gilt vom 11. April an das ICE-Sonntag-Morgen-Ticket für 69 Mark: Der Fahrschein berechtigt sonntags zwischen 5 und 14 Uhr zu beliebig weiten Reisen. Zeitlich befristet bis Ende September ist das neue Sommerspezial für den Interregio für 109 Mark. Zu diesem Preis können bis zu zwei Erwachsene oder Familien täglich außer freitags und sonntags von neun Uhr bis in die Nacht alle 400 Interregios benutzen. Dieses neue Angebot ist jedoch reservierungspflichtig.

Manchmal wird Bahnfahren sogar tatsächlich billiger: Um zwei Prozent sinkt der Preis für das Interrail-Ticket, die Urlaubsmonatskarte für Europa. Und weil es künftig eine Extraprämie von 20 Mark gibt, wenn man sein Ticket nach Ablauf der Gültigkeit zurückgibt, kommen Interrailer bei ihrer Europatournee bis zu 40 Mark billiger davon.