Jugoslawische Raketen contra Nato-Fighter: das ist nicht David gegen Goliath. Auch ein gewisser Herr in Bagdad weiß, daß Milosevics Luftabwehrbatterien alles andere als Steinschleudern sind. Dem Vernehmen nach bezog Saddam Hussein Raketen aus Jugoslawien und bezahlte dafür mit dem, was dort am meisten fehlt: Öl.

Die gefährlichste Abwehrwaffe der Jugoslawen heißt Sa-6. Die Abschußvorrichtung dieser Boden-Luft-Rakete ist auf ein Kettenfahrzeug montiert. Die Rakete reicht 20 bis 30 Kilometer weit: Ihre Ziele werden vom Boden aus mittels Radar anvisiert, die Steuersignale per Funk übermittelt. Sobald die Rakete einem Flugzeug nahe gekommen ist, findet sie von selbst ihr Ziel. Nato-Piloten, die von einer solchen Batterie angepeilt werden, müssen schnell feuern: Ihre Anti-Radar-Raketen folgen dann dem feindlichen Signal bis zur Quelle.

Im vergangenen Jahr wurden die jugoslawischen Sa-6-Batterien mit russischer Hilfe modernisiert, dennoch haben die rund 70 Sa-6 bisher keine große Rolle im Kosovo-Krieg gespielt. Westliche Militärs vermuten, daß Milosevic seine beste Luftabwehrwaffe für eine spätere Kriegsphase aufheben will. Das unübersichtliche Terrain des Landes erlaubt es zwar, die Batterien gut zu verstecken - doch wenn sie durch den Einsatz des Radars ihren Standort verraten, ist ein Ortswechsel fällig, und der ist auf jugoslawischem Gelände nicht so einfach wie in der irakischen Wüste.

Älter und weitaus schwerfälliger sind Jugoslawiens rund 60 Sa-3-Raketen (20 Kilometer Reichweite); eine von ihnen soll immerhin den amerikanischen Tarnkappenbomber vom Typ F-117 abgeschossen haben, den die Nato am Wochenende verlor. Weitere Raketen im Arsenal sind die Sa-9 (auf Radfahrzeugen) und Sa-13 (auf Kettenfahrzeugen), die vielleicht vier oder fünf Kilometer weit reichen und ihre Ziele per Infrarotsucher finden. Überdies verfügt das Land über einige der großen Sa-5-Raketen, die feindliche Flugzeuge auf 250 Kilometer Entfernung attackieren. Ein echtes Risiko stellen auch die tragbaren Systeme dar, die ihre Ziele auf kurze Distanz bekämpfen; einige sind gleichfalls mit Infrarotsuchern ausgestattet. Etwa 2000 mobile Flak-Geschütze kommen hinzu, darunter hochmoderne 20- und 30-Millimeter-Waffen.

Serbiens Luftabwehr ist elektronisch vernetzt; eines der Nato-Ziele besteht deshalb darin, die Datenverbindungen zu zerstören. Doch sind die Knotenpunkte zu gut verteilt, als daß es gelingen könnte, die Luftabwehr binnen kurzem auszuschalten.