Rechtzeitig zum Kriegsbeginn hat der Münchner FinanzBuch Verlag den passenden Ratgeber vorgelegt: Die Kunst des Krieges für Anleger. Autor Dean Lundell zeigt darin, wie hilfreich die Geheimnisse der Kriegsführung an der Börse sein können. Er selbst war erst Feldwebel und dann Wertpapierhändler. Was ja fast das gleiche ist. Schließlich sind Kapitalmärkte "die letzte Bastion eines unverhüllten Kampfes". Hier zählen weder Hautfarbe noch Religion, hier gelten "keine Quotenregelungen", hier geht es nur um Sieg oder Niederlage. Und vor allem werden hier keine Gefangenen gemacht, wie Lundell schwärmt, hier werde getötet.

Auch im richtigen Krieg ist es ja viel effizienter, den Feind zu vernichten, als ihn zu belagern oder einzusperren. Das kostet nur Ressourcen. Jedenfalls lehrt das Sun Tzu, ein chinesischer General, der vor etwa 2500 Jahren über die Kunst des Krieges philosophierte. Und diese Weisheit versucht sein Schüler Lundell nun für die Börse nutzbar zu machen. Wenn Sun Tzu zum Beispiel sagt, daß eine Armee plündern sollte, sobald sie in feindliches Land vorgestoßen ist, dann können Anleger davon lernen, daß sie Gewinne realisieren sollten, wenn die Kurse günstig stehen. Freilich paßt die Analogie von Schlachtfeld und Börsenparkett nicht immer gleich auf den ersten Blick. Etwa wenn Sun Tzu sagt, daß der "weise General nicht nur seine Feinde vernichte, sondern auch die Früchte des Sieges mit seinen Soldaten teile". Aber das macht Lundell nicht verlegen. Scharfsinnig analysiert er, daß jeder Anleger sowohl sein eigener General wie auch Soldat ist. Sun Tzus Lehrsatz bedeute deshalb nichts Geringeres, als daß der Börsianer sofort seinen "Broker anrufen und sich einen Scheck ausstellen" lassen soll, wenn er siegreich war. Und klug fügt er hinzu: "Indem Sie sich selbst belohnen, werden Sie sich eine positive Einstellung zum Siegen bewahren."

Wer Weisheiten dieser Tiefe verinnerlicht, kann nur gewinnen. Egal, ob er an der Börse oder anderswo ins Feld zieht. An den Militärakademien der Nato soll Sun Tzu übrigens zur Pflichtlektüre gehören.