Frühling ist die Zeit der Besinnung, zumindest für deutsche Gewerkschafter. Sind die Gegner bezwungen und die Fahnen eingerollt, läßt sich in Ruhe über kluge Tarifpolitik nachdenken. Einblicke in seine Überlegungen gewährt nun Dieter Schulte. In den vergangenen Jahren, erinnert der DGB-Chef, hätten die Gewerkschaften die "richtige Tarifpolitik" betrieben, eine eben, die "Verteilungsspielräume bewußt nicht genutzt" hat, um so für neue Jobs zu sorgen. Weil das aber nicht funktioniert hat, mußte in dieser Runde mal wieder kräftig zugelangt werden. Wenn diese falsche Politik, so kann man Schulte verstehen, nun die richtigen Folgen hat und die Arbeitslosigkeit kräftig sinkt, dann könne man im nächsten Jahr auch wieder zur richtigen Politik zurückkehren. Schade nur, daß nach dieser Logik die richtige Politik dann wieder die falschen Folgen haben müßte.

Macht aber nichts. Erstens sind solche Versprechen zum Ende einer Tarifrunde ungefähr so sinnvoll wie Weihnachtsbäume zur Osterzeit. Und zweitens hat der DGB-Chef in der Tarifpolitik sowieso nichts zu sagen.