Für eine Provokation ist die Berliner Publizistin Katharina Rutschky immer zu haben. Vorzugsweise vertraut sie dabei der eigenen Empörung, was ihre Wahrnehmung gelegentlich trübt. Von viel Krawallmacherei und wenig Tiefenschärfe zeugt auch Emma und ihre Schwestern, Rutschkys Abrechnungsversuch mit dem "real existierenden Feminismus".

Der Untertitel versteht sich als Programm: So, wie die sozialistischen Bonzen systematisch am Bedarf ihrer Untertanen vorbeiplanten, hat nach Rutschkys unerbittlichem Diktum auch die Frauenbewegung versagt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Teilung der Hausarbeit - für Rutschky sind derartige Ideen "keine schöne Utopie", sondern "ein lebensfremder und frauenfeindlicher Alptraum", den die politischen Vorturnerinnen "an der Basis vorbei" propagieren.

Das weibliche Fußvolk, vermutet die Autorin, dränge nämlich keineswegs darauf, die häusliche Macht zu teilen. Vielmehr genieße es die Mutterschaft als Selbstfindungstrip und halte sich Berufsstrapazen lieber vom Leib. Kein Grund also, über "Kind oder Karriere"-Optionen zu lamentieren: Frauen, doziert die gelernte Soziologin, hätten immerhin die Wahl, Männer nicht. Auch für die "hohen Abtreibungsziffern" hat Rutschky eine höchst eigenwillige Erklärung parat: Offenbar scham- und gewissenlos suchten sich viele Geschlechtsgenossinnen ihrer "weiblichen Potenz" zu versichern - genauso wie reifere Herren "sehr junge Frauen jagen".

Derartige Kurzschlüsse folgen bei Rutschky in regelmäßigen Abständen. Die Marotten, die sie ihren Gegnerinnen attestiert - Aggressivität, Selbstgerechtigkeit, ideologische Verblendung -, muß man ihr leider gleichfalls bescheinigen. Ihr Feindbild ist nicht minder fest gefügt als das der wildesten "Schwanz ab"-Agitatorin aus den siebziger Jahren. Wer eine nüchterne Bestandsaufnahme der feministischen Bewegung erwartet, liest statt dessen eine Suada wider deren lesbische Vertreterinnen, die - Alice Schwarzer vorneweg - allein ihren "sexuellen Phantasmen" frönten, statt endlich den Mund zu halten.

Allzuoft verwechselt Katharina Rutschky, die sich in der Debatte um sexuellen Mißbrauch schon einmal herbe (und teilweise überzogene) Kritik gefallen lassen mußte, persönliche Invektiven mit Argumenten. Niemand wird ernsthaft bestreiten, daß die Frauenbewegung theoretische Verstiegenheiten produziert hat. Wer diese Schwächen auseinandernehmen will, sollte freilich einen kühlen Kopf bewahren, statt eigenen Animositäten nachzugeben.

Das gilt um so mehr, wo Sachkenntnis und Erfahrung nicht hinreichen. Wenn Katharina Rutschky beispielsweise behauptet, daß geprügelte Frauen in der Regel zu ihren Peinigern zurückkehrten, weil sie "eine chaotische Beziehung" dem Aufenthalt unter ihresgleichen vorzögen, wird man vergebens nach empirischen Belegen Ausschau halten.

Unfreiwillig komisch wird es schließlich, wenn Rutschky die bohrende Frage erörtert, ob "Männer im Stehen pinkeln" dürfen. Zum Leidwesen der Autorin haben sich viele der entgegengesetzten "weiblichen Predigt gefügt, deren kastrative Intention sie geflissentlich überhören". Vielleicht denkt Katharina Rutschky bei Gelegenheit über die Vorteile des Pissoirs gegenüber der gemeinen Toilettenschüssel nach, anstatt ihren Schwestern Maulkörbe zu verpassen.