"Die Stimme des Papstes", schrieb vor einigen Monaten Jan Roß auf Seite eins der ZEIT, habe vielen Menschen "hart und schneidend im Ohr geklungen und sogar Haß erregt". Damals hatte Johannes Paul II. aus theologischen Gründen etliche Richtungen der modernen Philosophie zu Irrwegen erklärt, was der Kollege begeistert begrüßte.

Wir wollen uns in dieser Frage kein Urteil anmaßen, bestehen aber um so entschiedener auf einer Richtigstellung: Hart und schneidend? Diese Stimme? Niemals!

Seit vergangener Woche ist die erste CD des Papstes im Handel, Abbà Pater, zu deutsch: Lieber Vater, so daß sich nun jeder selbst einen Eindruck verschaffen kann. Da klingt nichts hart oder gar schneidend. Nein, leicht wie ein Flöckchen Zuckerwatte kommt diese Scheibe dahergeschwebt. Geigen umschmeicheln einen schmelzenden Alt, Flöten zwitschern, und Panflöten zirpen, synthetische Klänge schwellen an und ab, sanft tätschelt ein Jazzbesen ein Trommelfell.

Und die Stimme des Papstes?

Nun ja. Ein Tenor ist es wohl, im Ausdruck eher verhalten. Dabei hat die CD durchaus ihre starken Momente, etwa im Titelsong, wenn der Choral verstummt und der Papst entschlossen deklamiert:

"Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt" (Psalm 2,7).

Das wird Eindruck machen in den Diskotheken, man hört, hier spricht ein Mann, der weiß, was er sagt.