Es wird dunkel, der Meister schließt die Tür zum Wellblechschuppen - Feierabend. Draußen vor der Werkhalle verteilt er noch den Wochenlohn, Tüte für Tüte. Die Metallschlosser schauen flüchtig in ihre Lohntüten, dann geht es in die Kneipe oder "zu Muttern" nach Hause. Diese Zeiten sind vorbei. Längst sind elektronische Zahlungssysteme zum festen Bestandteil der Arbeitsund Finanzwelt geworden; Lohn, Einkommen oder Sozialhilfe fließen auf ein anonymes Girokonto. Allerdings ist Girokonto nicht gleich Girokonto. Die richtige Wahl des Geldinstituts hilft beim Sparen.

Ein durchschnittliches Konto kostet heute pro Jahr rasch mehr als 200 Mark. Das hat einen einfachen Grund: Erst Mitte der neunziger Jahre wurde der Kampf der Finanzinstitute um die Kunden härter - was den Verbrauchern bessere und billigere Konten bescherte. Mittlerweile haben fast alle Banken und Sparkasssen das Girokonto als Einstiegsdroge für Neukunden entdeckt.

"Wir waren die erste überregionale Bank mit einem kostenlosen Konto", freut sich Markus Kuhn, Sprecher der BfG Bank. Im Januar vor drei Jahren hatte das frühere Gewerkschaftsinstitut die Produktrevolution in Deutschland ausgelöst. Sogar "komplett kostenlos" sei das BfG-Konto, einschließlich EC- und Kreditkarten sowie Euroschecks. Die Preisoffensive soll der BfG über 100 000 frische Kunden gebracht haben. Einen Haken hat aber auch dieses Produkt: Monatlich muß ein Gehalt in Höhe von mindestens 2000 Mark verbucht werden. Ein weiterer Nachteil: Jede Bargeldabhebung aus Automaten anderer Banken kostet zwischen vier und sieben Mark, in Einzelfällen sogar noch mehr.

Inzwischen offerieren auch der Giro-Gigant Postbank, bei dem monatlich ebenfalls 2000 Mark eingehen müssen, sowie rund zwei Dutzend Banken und Sparkassen ein nahezu kostenloses Konto. Tip: Wer den Mindestumsatz allein nicht hat, kann mit einem Partner ein Gemeinschaftskonto einrichten.

Manche Finanzhäuser werben auf andere Weise um die Kunden. Sie erwarten als Eintrittsbillett einen hohen Betrag, der festgelegt wird. So müssen beispielsweise Citibank-Kunden erst einmal 5000 Mark aufbringen. Zu verschenken haben die Billiganbieter schließlich nichts. Statt dessen setzen sie auf das sogenannte Cross Selling - die tatsächlichen Kosten für eine Kontoführung sollen durch den Verkauf anderer Finanzprodukte mehr als hereingeholt werden.

Heute geht ohne Girokonto (fast) nichts mehr, allein schon wegen des Dispokredits für den neuen Fernseher - der oft billiger ist als ein normaler Ratenkredit. Entsprechend kompliziert ist es, die Preise zu vergleichen: Wurde früher Buchung für Buchung von der Bank in Rechnung gestellt, kann der Kunde nun zwischen Einzelpreisen für jede Kontobewegung oder verschiedenen Pauschalpaketen wählen.

Grundsätzlich fahren Wenignutzer günstiger mit Einzelpreisen. Durchschnittliche Bankkunden dagegen mit etwa 200 Buchungen im Jahr sparen mit einem Pauschalpaket. Die wohl meisten Varianten, nämlich sechs, verkauft die Commerzbank. Das Grundpaket der Frankfurter Großbank kostet 150 Mark im Jahr.