Berlin ist - immer noch - eine Insel, und auf dieser Insel dominieren zwei Monopolisten den Strommarkt: die VEAG in Berlin-Ost und die Bewag in Berlin-West. Beide Stromnetze sind nicht miteinander verbunden, zwischen den Umspannwerken Friedrichshain und Marzahn klafft eine Lücke, die frühestens Ende 2000 geschlossen wird. Und diese Situation nutzt die Bewag, um jede Durchleitung von Strom, den Konkurrenten in den Westteil der Hauptstadt liefern möchten, zu blockieren.

Ihr Argument: Das sei "aus netztechnischen Gründen" nicht möglich, weil die seit Dezember 1994 bestehende, einzige Hochspannungsleitung nach Westdeutschland zu hundert Prozent ausgelastet sei. Der Bewag-Vorstand Bruce Jones im Tagesspiegel: "In den kommenden zwei Jahren zwingt uns der Leitungsengpaß im Westen, jede Durchleitung fremden Stroms abzulehnen." Das aber mag dem im Sommer 1997 privatisierten Unternehmen (neuer Hauptaktionär: die amerikanische Southern Company) niemand glauben.

Richtig ist, daß die Bewag in ihren 13 Berliner Kraftwerken nicht genug Strom produziert, um die Nachfrage zu befriedigen. Sie kauft also selbst Strom (vor allem bei ihren Anteilseignern Bayernwerk und PreussenElektra) und importiert ihn über das Netz aus Westdeutschland. Merkwürdig ist aber, daß das Leitungsproblem der Bewag erst jetzt auffiel, nachdem sie vorher mit allen möglichen Argumenten Obstruktion gegen die Liberalisierung des Berliner Strommarktes betrieben hatte.

Bis vor kurzem wollte die Bewag die Durchleitung von Strom noch unter Hinweis auf gesetzliche Schutzklauseln verweigern. Dann hieß es, man wolle Kunden außerhalb Berlins werben und damit selber in den Stromhandel einsteigen. Jetzt erklärte die Bewag, bei Überlastung des Netzes durch erhöhten Stromimport aus dem Westen drohe die Versorgung Berlins total zusammenzubrechen.

Inzwischen wurde mancher Kunde mit Preisnachlässen bei der Stange gehalten, etwa Siemens, Sat.1 oder das Haus der deutschen Wirtschaft, in das die Wirtschaftsverbände BDI, BDA und DIHT in diesem Jahr einziehen werden. Verträge mit Berliner Kunden haben bereits die Essener RWE, die Hamburger Electricitätswerke, die Energie Baden-Württemberg (EnBW) und die skandinavische Vasa Energy abgeschlossen. Um liefern zu können - bizarrer geht es nicht -, müssen sie möglicherweise den Strom bei der Bewag zu deren Preis einkaufen und dann billiger an ihre Kunden weitergeben.