Du bewegst dich wie ein John-Wayne-Double." - "Du wirkst verkrampft und verunsichert." - "Du siehst aus wie ein verdammter Solariumbräuner." Philipp Winter

muß sich eine Menge anhören an diesem Morgen. Muß sich Sachen sagen lassen, die ihn früher zumindest zum Widerspruch gereizt hätten und die er nun mit einem Nicken quittiert. Muß lächeln, auch wenn er sich hundeelend fühlt. Und vor allen Dingen muß aus seinem Mund das kleine Wörtchen "danke" ertönen, auch wenn die Kritik seiner Lehrgangskollegen noch so derb ausfällt.

Winter, 25, ist Schüler der Baltic-Security-Network-Akademie (BSN), eines Instituts im schleswig-holsteinischen Timmendorfer Strand, das sich um die Ausbildung des Nachwuchses für das Sicherheitswesen kümmert. 14 Wochen Zeit haben die BSN-Dozenten, um aus dem ehemaligen Zahnmedizinstudenten einen guten Personenschützer zu machen.

Ein guter Personenschützer ordnet seine Persönlichkeit einem höheren Zweck unter: der Sicherheit eines Popstars, Politikers oder Unternehmers. Er läßt sich von niemandem provozieren, gehorcht den Befehlen seiner Vorgesetzten und steht, wenn's sein muß, eine Stunde im Hemd in der Winterkälte, ohne die Miene zu verziehen. "Ein Personenschützer sollte sich stets diskret im Hintergrund halten", erklärt Björn-Michael Birr, der Gründer von BSN und Leiter der Akademie, "die Schutzperson soll sich schließlich nicht belästigt fühlen."

Birr ist zwar erst zarte 28, hat aber bereits mehr Erfahrung mit den Sicherheitsrisiken dieser Welt gesammelt als mancher 60jährige. Er ermittelte als BGS-Beamter Schmuggler und Dealer, war Mitglied der GSG 9, und als Gründer und Geschäftsführer des Baltic Security Network half er mit, den Täter eines spektakulären Überfalls auf einen Geldtransport in Soltau mitsamt den verschwundenen Millionen in Südafrika aufzutreiben.

Erpressungen, Betrügereien, Mordanschläge - "die Welt wird immer unsicherer", glaubt Birr, und deshalb sei es wichtig, daß es Sicherheitsdienste gebe; Sicherheitsdienste wie das BSN, das "keine Bodyguards mit dicken Muskeln heranzüchtet, sondern Leute, die ihr Handwerk beherrschen".

Das glaubt wohl auch das Arbeitsamt, das die Ausbildung der BSN-Akademie zum "geprüften Personenschützer" als förderungswürdig anerkannt und am 1. März die ersten Arbeitslosen zur Umschulung nach Timmendorfer Strand geschickt hat. Für die Dauer des Lehrgangs erhalten sie Unterhaltsgeld, Fahrtkosten und, wenn nötig, auch Geld für die Übernachtung.