Unlängst antwortete Bill Gates im amerikanischen National Public Radio auf die Frage nach den Segnungen des Computers, daß jeder Mensch sich einen weiteren Computer wünsche, sobald er einen habe. Auch müsse jeder Computerbesitzer einen schweren Verlust an Lebensqualität hinnehmen, wenn ihm der Computer weggenommen werde. Was sich fast wie die Rechtfertigung eines Süchtigen anhört, war ein Plädoyer, dem Computer in der Familie einen größeren Raum einzuräumen. Bald soll jeder Tisch intelligent und das ganze Haus vernetzt sein.

Die möglichen üblen Nebenwirkungen der Totalvernetzung illustrierte vor wenigen Tagen eine gar nicht nette Familie von Viren. Zuerst machte "Melissa" die Runde durchs Netz, gefolgt von Varianten, die "Papa" und "Jennifer" (nach der Gates-Tochter) getauft wurden. Die Virus-Varianten sorgten in einigen großen Firmen für erhebliche Probleme, weil ihre Fortpflanzungsfunktionen die für die elektronische Post zuständigen Rechner zeitweise zum Zusammenbruch brachten. In einer vernetzten Werbeagentur erzeugte der Virus innerhalb von 45 Minuten 32000 Kopien, die als Mail verschickt wurden.

Mitunter hat eine Monokultur aber auch ihre gute Seiten. Daß am Gründonnerstag der mutmaßliche Melissa-Programmierer in den USA verhaftet werden konnte, verdankt das FBI nämlich den von Datenschützern heftig befehdeten heimlichen ID-Nummern, die von Microsoft-Software produziert werden. Das letzte Puzzlestück trug dann AOL bei: Der Onlinedienst lieferte der Polizei die Telefonnummer des Hackers, der eine geknackte AOL-Adresse für seine Machenschaften benutzt hatte.

Die Angst vor serbischen Viren ist damit jedoch nicht gebannt: Die ID-Nummern der Melissa-Varianten verweisen angeblich nach Osteuropa. Ganz genau weiß das allerdings nur Microsoft.