Für die einen ist Richard Branson eine Ikone der Popkultur: der Mann, der die Songs von Mike Oldfield, Phil Collins und den Sex Pistols auf Platten preßte. Für andere ist er ein Marketing-Genie: Schließlich schaffte er es, die Popularität der Plattenfirma Virgin Records auf seine Fluggesellschaft und zahllose andere Unternehmen zu übertragen. Wieder andere halten Branson, der neben seinen Geschäften waghalsige Ballontouren unternimmt, einfach für einen Lebenskünstler.

Inzwischen hat das Multitalent Branson auch noch das Schreiben entdeckt. "Business ist wie Rock 'n' Roll" lautet sein Motto. In 28 Kapiteln bietet Branson eine bunte Mischung aus Memoiren und Management-Ratgeber. Auf den ersten Blick wirkt diese Kombination befremdlich, zumal im seriösen Wirtschaftssortiment des Verlagshauses Campus. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Branson-Buch jedoch als intelligente Antwort auf die zahlreichen Existenzgründer-Fibeln der Konkurrenz. Seit die Bundesregierung (noch unter Helmut Kohl) die neue Gründerzeit ausrief, überschlagen sich Verlage mit Musterrechnungen, Finanzierungsplänen und anderen Ratschlägen zur Selbständigkeit.

Dagegen ist das Buch des Althippies für Jungunternehmer die reine Erbauungsliteratur. Subjektiv beschreibt Branson, wie man in der Wirtschaftswelt überlebt. Zunächst erzählt der Multimillionär, wie er seine Karriere als Schulversager begann. Als Legastheniker habe er von seinen Lehrern regelmäßig Prügel bezogen. Seine Mathematikschwäche stempelte ihn beim Intelligenztest zur Niete.

Dem Erfolg als Unternehmer tat das Versagen in der Theorie keinen Abbruch. "Echte Geschäftspläne stelle ich liebend gerne auf", so Branson. Manchmal habe ihm der Mangel an mathematischem Talent sogar geholfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: "Wenn mir jemand ein schriftliches Angebot schickt, reite ich nicht auf Zahlen herum, sondern erfasse das Gelesene durch mein Vorstellungvermögen."

Während andere Konzernchefs sich dem Shareholder value verschreiben, läßt Branson sich ungern von Aktionären dreinreden. Die wenigsten seiner Unternehmen sind börsennotiert. Statt sich auf Kernkompetenzen zu beschränken, handelt Branson mit allem, was ihm gewinnträchtig erscheint: von Schallplatten über Brautkleider bis zu Versicherungen. Statt Marktnischen zu suchen, stürzt er sich bewußt immer wieder in Märkte, die von Konzernen dominiert, wenn nicht gar von Monopolisten blockiert werden. Vielen mag das wie Wahnsinn klingen, für Branson ist es Dienst am Verbraucher. Er will die Macht der Großen brechen, den Kunden Alternativen bieten.

Erstaunlicherweise war er mit seiner Robin-Hood-Strategie bisher oft erfolgreich. So untergrub seine Fluggesellschaft Virgin Atlantic die Vormachtstellung von British Airways und gilt inzwischen als eine der profitabelsten Airlines der Welt. Auch die Virgin Megastores konnten sich - bis auf Ausnahmen - gegen etablierte Buch- und Plattenläden durchsetzen.

Weniger Erfolg hatte er im Getränkegeschäft: Kläglich scheiterte der Versuch, eine eigene Wodka-Marke zu etablieren. Seine Virgin-Cola verkauft sich zwar in England. Am weltweiten Duopol von Coca-Cola und Pepsi konnte Branson bisher aber nicht kratzen. Da nützte es auch nichts, daß er mit einem Panzer am Times Square auffuhr und dort werbeträchtig die Dosen der Konkurrenz plattmachte.