Den Krieg am Ende dieses Jahrhunderts verliert oder gewinnt man am Fernsehen. Bilder von kleinen Mädchen, von Napalm verbrannt, besiegelten die Niederlage des Pentagons in Vietnam. Jetzt ist Milocevic an der Reihe, binnen einer knappen Woche hat er es geschafft, daß sich die öffentliche Meinung wendete - gegen ihn.

Der König ist nackt. Zwecklos, ihn zu diabolisieren. Milocevic ist nichts anderes als die Banalität des Schlimmsten. Er klammert sich an die Macht, und ohne jedes Genie bedient er sich der Greuel dieses Jahrhunderts. Eine Prise Phnom Penh, das die Roten Khmer gesäubert hatten: raus aus der Stadt, raus aus den Krankenhäusern, aus dem Operations- oder Kreißsaal, alle auf die Straße geworfen. Ein Scheibchen Ruanda: "Nichtserben" werden mit dem Messer erledigt oder mit einer Kugel ins Genick.

Wird sie nun arbeitslos, jene Kassandra - eine Handvoll Intellektuelle und Journalisten -, die von 1991 an Alarm schlug? Ihr bleibt eine Aufgabe: den Verantwortlichen zu sagen, daß sie weit hinter der empörten Öffentlichkeit zurückbleiben. Der Fall ist klar: Der Frevel weitet sich aus und dauert fort. Das Ziel ist ebenso klar: das Kosovo befreien. Beim Einsatz der Mittel darf es kein Zaudern geben: Wenn noch stärkere Luftschläge über noch längere Zeit nicht reichen, wird der Kampfeinsatz von Bodentruppen nötig und von einer Mehrheit der Bürger gefordert werden. Je eher wir uns darauf vorbereiten, desto glaubwürdiger sind wir.

Wie können wir die Politiker davon überzeugen? Ihnen sagen, daß das Kosovo etwa so groß ist wie Schleswig-Holstein? Daß die jugoslawische Armee nicht mehr die "glorreiche Armee Jugoslawiens" ist? Und daß sie nichts anderes ist als eine Besatzungsmacht?

Wenn das stärkste Militärbündnis diesen Landstrich von der Größe eines Taschentuchs nicht zu befreien weiß, dann sind Clinton, Blair, Chirac, Jospin und Schröder zum Erbarmen. Dann sollen sie uns, hoch über den Gräbern von Roosevelt, Churchill und de Gaulle, erklären, wie der D-Day möglich war; wie ein Kontinent aus der Kralle des "Dritten Reichs" gelöst werden konnte, während die Kosovaren den Mördern überlassen werden. Der rechtschaffene Bürger, der den Sinn für Proportionen und für das Lächerliche nicht verloren hat, wird nur noch laut auflachen. Zu Tränen lachen, den Tränen eines auf der Flucht verlorenen Kleinkinds.