Die Fackeln loderten, hell erschallten die Hörner: "Sau tot", "Jagd vorbei" und "Halali", die traditionellen Tonfolgen kündeten von einer erfolgreichen Jagd. Und wirklich, eine prachtvolle Strecke wurde da verblasen. Zu Füßen von 20 Lodenträgern lagen 80 Schweine tot im flackernden Licht. 7, nach anderen Angaben sogar 14 Tiere hatte allein Deutschlands oberster Jäger Constantin Freiherr von Heereman mit sicherem Schusse erlegt. Die Jagd sei "wirklich nicht leicht" gewesen, berichtete er später, aber alles in allem einfach "super" verlaufen.

Inzwischen liegt das große Ereignis ein halbes Jahr zurück, die Saison ist längst vorüber, aber diese eine Jagd im Wenzelhausener Forst, einem kleinen Eifelwald bei Trier, läßt Deutschlands Jägerschaft nicht ruhen. In den Leserbriefspalten der Fachblätter Die Pirsch und Wild und Hund tobt ein heftiger Streit. Vom "Jagdbordell" in der Eifel ist die Rede, das "nur ein purer Totschießer, niemals ein Jäger" aufsuchen würde - und, so hatte der Autor offenbar angenommen, schon gar nicht Constantin Freiherr von Heereman, Präsident des Deutschen Jagdschutzverbandes mit 290 000 Mitgliedern. Was Heereman sich da geleistet habe, meint ein anderer Kritiker, sei "nichts anderes als sportliches Schießen auf lebende Ziele" und habe mit Jagd nichts zu tun. - "Wer im ,Puff' jagen will, soll es doch tun", wendet die Gegenseite ein - und überhaupt, "heute scheint man sich ja grundsätzlich für alles rechtfertigen bzw. entschuldigen zu müssen". Vom "Neid der Besitzlosen" ist die Rede, und in der jüngsten Ausgabe der Pirsch beklagt ein Waidmann gar den Verrat an der gemeinsamen Sache: Ob es nun schon so weit gekommen sei, daß "Jäger in das Horn der Jagdgegner blasen"?

280 Hektar mißt Cloppenburgs Gehege, eine Fläche, die allenfalls 15 wilde Wildschweine ernähren könnte, auf der er aber mindestens 300 Tiere hielt. Wer dort spazierenging, hatte gute Chancen, auf zahmes Borstenvieh zu treffen. Einige Schweine waren im nahe gelegenen Niersbach sogar namentlich bekannt, etwa die Bache Rita, von der es im Volksfreund heißt, sie habe gerne "von Familien mit Kindern Brot und Äpfel" erbettelt. Ein Keiler, so erzählt man sich im Dorf, soll sogar versucht haben, seine Jäger um Futter anzugehen.

Viele Jäger sind empört über die Jagd im Gehege

Es dürfte weder Waidmannskunst noch Sportsgeist erfordert haben, die 80 zahmen Wildschweine in dem engen Gehege über den Haufen zu schießen. Aber das ist es nicht, was die Kritiker des DJV-Präsidenten erzürnt. "Heereman sowie seine Schlächter gehören vor ein Jagdehrengericht, und allen Beteiligten sollte die Lizenz entzogen werden, da der von ihnen geschädigte Ruf unserer ordentlichen Jäger kaum noch reparabel ist", schimpfte ein Jäger in der Lokalzeitung.

Es geht ums Prinzip: Wenn sie mit Tierschützern aneinandergeraten, die sich um Hasen, Rehe oder Füchse sorgen, pflegen die Jäger, durchaus zu Recht, darauf hinzuweisen, daß sie durch ihre Eingriffe das nur noch halbwegs natürliche Gleichgewicht in Wäldern und Feldern bewahren. Doch die Jagd auf eigens ausgesetzte und künstlich durchgefütterte Tiere läßt sich so natürlich nicht rechtfertigen - auch wenn ein Jagdfreund aus Rednitzhembach in der Pirsch die Frage aufwarf, wie man denn, bitte schön, "in einem Gatterrevier von 280 Hektar den Bestand an Sauen vermindern" wolle - "wenn nicht durch ein oder zwei Tage Jagd"?

Ursprünglich sind Jagdgatter eine feudale Errungenschaft, die vor allem im 16. Jahrhundert groß in Mode war. Sie sollten zum einen die Trefferquote der adeligen Jägerschaft heben, zum anderen die Felder der Bauern vor Wild und wilden Jagden schützen. Heute erleichtern es solche Gehege begüterten Jägern, ohne Mühe oder langes Ansitzen zwischen zwei Geschäftsterminen zum Schuß zu kommen. Die Jagdpostillen wimmeln von Anzeigen. "100 Prozent Jagderfolg! Uriges Wildgatter im Bayerischen Wald vergibt Abschuß von Sika-, Dam-, Rot- u. Muffelwild", heißt es da etwa. Abgeschiedenheit gilt im Gatterjägermilieu durchaus als Verkaufsargument: So könne man "versteckt und heimlich, abgeschirmt von den Blicken der Öffentlichkeit" die "aufregendsten jagdlichen Stunden des Jahres auf Rothirsche in allen Stärkeklassen sowie urige Keiler" erleben, wirbt ein Allgäuer für sein Gatter.