Hat die Politik alles getan, was sie konnte? Oder hätte es eine Möglichkeit gegeben, den engen Rahmen zu sprengen? Wir konnten die Welt nicht neu erfinden, wendet Wolfgang Ischinger ein. Da hört man auch die Stimme seines Herrn. Die Beschlußlage der Nato setzte ein Datum. Einige Tabus (keine volle Unabhängigkeit, keine Teilung) sollten nicht angetastet werden. Die Politik folgte ihrer eigenen immanenten Logik.

Europa, denkt Wolfgang Petritsch laut vor sich hin, ist nicht unbedingt klüger. Aber es ist einfach näher dran. Das Kosovo, Albanien, Serbien, das sind unsere Nachbarn, unsere Flüchtlinge, unsere Probleme. Als Christopher Hill im Herbst vorigen Jahres geklagt hat, Europa feiere die Währungsunion und proste sich zu, während am Balkan Krieg droht, traf er eine wunde Stelle. So entstand die Idee eines Sonderbeauftragten der EU. Aber ein Petritsch macht noch kein vereinigtes Europa.

Und auch das steht nicht in den Akten: Die Europäer hatten nicht den Zugang zu Milocevic wie die Amerikaner. Ihre Sprache versteht er besser, und nicht nur, weil er dort lebte. Nein, weil er mit einem Gegenüber verhandeln kann, das eben mit einer Stimme spricht, für eine Öffentlichkeit. Das weiche europäische Regime mit seinen vielen schillernden Öffentlichkeiten versus das harte Regime Milocevic, das sich mit dem harten Regime Washington leichter tut. Diese Darstellung des Dilemmas leuchtet ein. Die einen verstehen sich besser auf die Lehren, die aus der Kälte kommen. Die eigene Sympathie gehört dem Transparenten, Zögernden, notfalls auch Schwachen. Aber, zugegeben, Politik ist das noch nicht.