DIEZEIT: Im März 1995 wurde die Wehrmachtausstellung in Hamburg eröffnet. Damals hatte es eigentlich nur eine kleine Fotodokumentation im Flur Ihres Instituts sein sollen. Inzwischen ist die Ausstellung selber Geschichte geworden. Weshalb hatten Sie sich so verschätzt?

JAN PHILIPP REEMTSMA: Diesen Erfolg haben wir wirklich nicht vorausgesehen. Wenn uns damals jemand gesagt hätte, ihr werdet die Ausstellung noch 1999 zeigen, und da wird es eine Liste von Städten geben, die sie alle haben möchten und die Briefe schreiben, wir brauchen die Ausstellung für unsere politische Auseinandersetzung, für unsere "Selbstfindung" und ähnliches - wir hätten bloß den Kopf geschüttelt.

REEMTSMA: Nein, das nun auch wieder nicht, sonst hätten wir es ja nicht gemacht.

ZEIT: Schon der Titel Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944 war umstritten.

HANNES HEER: Es gab einen Arbeitstitel, der uns sofort als behelfsmäßig und falsch erschien: "Wehrmacht und NS-Verbrechen". Das hätte bedeutet, auf der einen Seite ist die Armee, und auf der anderen Seite sind die Verbrechen.

REEMTSMA: Und dazwischen gibt es die berühmte Verstrickung.

HEER: Wir haben lange über den Titel diskutiert. Ausgangspunkt war, daß der besondere Charakter dieses Krieges deutlich benannt werden mußte und daß es um die verbrecherischen Taten der Institution Wehrmacht ging.