Es gibt Sätze, die verbieten sich für jeden Parteivorsitzenden, der sein Amt noch eine Weile ausfüllen möchte. "Ich bin kein Parteichef auf ewig" ist so einer. An ihm läßt sich kaum das ablesen, was FDP-Chef Wolfgang Gerhardt dem Publikum vermitteln möchte: daß er deshalb so souverän über die Grenze seiner Amtszeit plaudern kann, weil sie noch lange nicht erreicht ist. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Weil auch Gerhardt nach seiner mißglückten Rede auf dem Bremer Parteitag zu ahnen beginnt, daß er zur Profilierung der Partei nur wenig beitragen kann, formuliert er schon einmal, was er noch nicht recht wahrhaben will: Das Ende seiner Amtszeit rückt näher.

Ob es ihm hilft, wenn er jetzt immerfort dem abgewählten Bündnis mit der Union nachtrauert? Wenn es stimmen würde, daß ihm die Rolle in der Opposition wirklich so großen Spaß bereitet, käme ihm sicherlich eine etwas unabhängigere, flexiblere, sagen wir: liberalere Strategie in den Sinn. So aber gerät die Treue zur Union zum einzigen Markenzeichen des FDP-Vorsitzenden.

Die Zeit der liberalen Troika - Guido Westerwelle als flinker Provokateur, Hermann Otto Solms als einflußreicher Pragmatiker und Wolfgang Gerhardt als moderierender Parteichef - ist abgelaufen. Für Solms gibt es nichts mehr zu verhandeln, und auch Gerhardt muß keinem mißtrauischen Kanzler mehr erklären, daß es Westerwelle mit seinen harschen Reden wieder einmal nicht so gemeint hat. Jetzt käme es eher darauf an, dem Publikum begreiflich zu machen, wie ernst es der FDP mit dem Programm ist, das Westerwelle in den letzten Regierungsjahren geschrieben hat. Doch dazu braucht die Partei keinen Gerhardt, das überläßt sie, wie in Bremen demonstriert, am besten Westerwelle selbst.

In dem Maße, wie die liberale Arbeitsteilung aus der Regierungszeit sinnlos geworden ist, wächst die Bedeutung des Generalsekretärs. Schon im Bremen war von der Zurückhaltung Westerwelles auf früheren Parteitagen, die auch dem blassen Parteichef noch ein wenig Raum ließ, nichts mehr zu spüren. Mit einer Mischung aus ätzender Kritik, witziger Provokation und liberalem Grundsatzdiskurs führte Westerwelle vor, wie ein robuster Liberaler seine Mission angehen würde.

Derweil beteuerte Wolfgang Gerhardt in Bremen: "Ich bin ein robuster Parteivorsitzender." Auch das ist so ein Satz, den ein robuster Parteivorsitzender nicht nötig hätte.