In den nächsten 100 Jahren versucht bestimmt niemand mehr eine Rechtschreibreform. Auch die jetzige hätte nicht stattgefunden, hätte jemand geahnt, welche plötzlichen Leidenschaften ein Thema entfacht, das sonst als eines der langweiligsten der Welt gilt. Es geht dabei ja nicht um große, imposante Ideen, es geht letztlich um Einzelbuchstaben in Einzelwörtern - so genannte Korinthenkackerei.

Vielleicht kam die Empörung genau daher: Rechtschreibung kann man (recht oder schlecht), aber man denkt möglichst nicht darüber nach. Ihre Reform jetzt, so geringfügig sie ausgefallen ist, zwingt, die kostbare Ressource Aufmerksamkeit für sie zu opfern, eventuell umzulernen, was man sich einmal mühsam und unwillig genug hat eintrichtern lassen.

Aber so klug sind alle immer erst hinterher. Nun ist die neue Orthografie da, zumindest für die Jüngeren wird sie bald genauso selbstverständlich sein, wie es die bisherige für die Älteren war, und die Kultur wird nicht einstürzen, ihretwegen jedenfalls nicht.

Die ZEIT stellt ihre Schreibweise in dieser Woche um. Im August werden es die Nachrichtenagenturen tun, und dann wird ein Großteil der Presse in neuer Orthografie erscheinen.

Sehr wahrscheinlich wird die Presse dabei die Erfahrung machen, dass sich nicht alle neuen Regeln für ihre Zwecke eignen. Sie ist eben eine Schulorthografie und durfte gar nichts anderes sein, bedacht ausschließlich auf leichtere Erlernbarkeit. Eine fürs Leben bestimmte Orthografie 2000 hätte nirgends Ausdrucksverluste hinnehmen dürfen, hätte dem vermehrten Kontakt des Deutschen mit anderen Sprachen und dem Umstand Rechnung tragen müssen, dass das universale Schreibgerät zunehmend der Computer ist.

Ein ZEIT-Spezial stellt die neuen Regeln und die wichtigsten Änderungen vor - und zwar so, dass jeder die kritischen Zonen auffinden und selber entscheiden kann, wo er der Reform Folge leisten will und wo nicht. Das Spezial erklärt auch, wo und warum die ZEIT einen eigenen Weg zwischen Alt und Neu geht. Ergänzt um eine alphabetische Wörterliste zum Nachschlagen, erscheint es gleichzeitig als ZEITdokument