Dass die Fluggesellschaften mit ihren allzu engen Flugplänen selbst schuld an der Misere sind, will Condor-Sprecher Herbert Euler nicht gelten lassen. "Wir müssen auch Geld verdienen." Der seit Jahren andauernde Preisverfall im Luftverkehr lässt den Fluggesellschaften gar keine andere Wahl, als ihre Maschinen samstags und sonntags, wenn alle Urlauber in die Luft gehen wollen, bis auf die letzte Minute zu verplanen. Jedes Wochenende leiht sich die Condor bei ihrer Konzernmutter Lufthansa sogar noch weitere 20 Maschinen aus, um dem Andrang Herr zu werden.

Doch auch Europas größte Charterfluggesellschaft, die im vergangenen Jahr über 7,3 Millionen Bundesbürger in alle Welt verschickte, spürt das Verspätungschaos in der Bilanz: Warteschleifen über verstopften Flughäfen verschlingen Millionen Liter Kerosin. Und wenn Hunderte Urlauber, die am Boden stundenlang auf ihren verspäteten Start warten, mit Essensgutscheinen verpflegt und besänftigt werden müssen, dann ist, so Euler, "unser Gewinn weg". Das gilt natürlich auch, wenn verspätete Ferntouristen aus der Karibik, Alaska oder von den Malediven abends in Frankfurt den letzten Anschlussflug nach Hause verpassen. Denn die Kosten für die Extranacht im Sheraton-Hotel muss natürlich die Fluggesellschaft übernehmen.

Ein Condor-Pilot, der seine Maschine aus Spanien gerade zeitig in Frankfurt auf den Boden gebracht hat, rät den Passagieren, auf das Sommerchaos mit Fatalismus und einer Portion Galgenhumor zu reagieren. "Wir sollten einfach jeden Flug, der am richtigen Tag ankommt, als pünktlich betrachten."